ahavta - Begegnungen

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der ahavta adventskalender • 10

Das 10. Tor im Warten auf das Fest der Geburt von Jeschua haMaschiach

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Ricklef Münnich
Dez. 10, 2025
∙ Bezahlt

In diesem Jahr enthält der ahavta adventskalender 24 Zitate, die mir etwas bedeuten. Von Jüdinnen und Juden, die etwas weiterzugeben haben.

Rabbi Tarfon diente noch als Priester (Kohen) im Tempel. Er war ein Schüler von Rabban Jochanan ben Sakkai und somit ein Überlebender der Katastrophe der Zerstörung des Jerusalemer Heiligtums. Später lehrte er als ein führender Weiser in der Stadt Lod. Sein wichtigster intellektueller Partner und zugleich freundschaftlicher Rivale war Rabbi Akiva. Beide bilden eine entscheidende Brücke zwischen der Ära des Tempels und dem sich festigenden rabbinischen Judentum.

In den „Sprüchen der Väter“ (Pirké Awot 2,16) wird von ihm überliefert:

Es liegt nicht an dir, die Arbeit zu vollenden, du bist aber auch nicht frei, dich ihr zu entziehen. (Rabbi Tarfon)

Rabbi Tarfon lehrte dies inmitten einer Zeit des Umbruchs, in der das jüdische Volk seine spirituelle Heimat verloren hatte und die Zukunft ungewiss schien. Sein Ausspruch ist mehr als eine ethische Anweisung; er ist ein Heilmittel gegen die Lähmung durch Überforderung.

In der jüdischen Wirkungsgeschichte wurde sein Satz oft herangezogen, um Aktivisten, Gelehrte und Mystiker zu trösten, die vor der schieren Größe ihrer Aufgaben – sei es die Reparatur der Welt (Tikkun Olam) oder das Studium der endlosen Tora – zu verzweifeln drohten. Er erinnert uns daran, dass wir Glieder in einer langen Kette sind. Wir müssen nicht das Ende der Geschichte schreiben, wir müssen nur unser eigenes Kapitel verfassen.

Unsere Welt wird von der Tyrannei der sofortigen Ergebnisse und messbaren Erfolge beherrscht. Da wirkt Tarfons Lehre befreiend. Wir fühlen uns oft mitverantwortlich für globale Krisen oder stehen vor komplexen persönlichen Aufgaben, deren Abschluss wir vielleicht nie erleben werden.

Rabbi Tarfon lehrt uns den Mut zur Unvollkommenheit und die Würde des beständigen Bemühens. Der Wert unseres Handelns misst sich nicht am Endprodukt, sondern an der Treue zum Prozess. Wir sind eingeladen, den Samen zu säen, auch wenn andere die Ernte einbringen werden.

Meditationsfrage:

Wo in meinem Leben zögere ich anzufangen oder weiterzumachen, nur weil ich das Ergebnis nicht kontrollieren oder das Ende nicht sehen kann?


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