Am Anfang des hier anzuzeigenden und unbedingt zu empfehlenden Buches steht eine traurig stimmende Widmung. Die Neuauflage, schreibt Johannes Gerloff, habe Yaron Lischinsky gründlich durchgearbeitet, ein Freund der Familie, der später in den diplomatischen Dienst Israels trat. Kurz bevor er Sarah Milgrim einen Heiratsantrag machen konnte, wurden beide am 21. Mai 2025 in Washington erschossen. Der Mörder rief bei seiner Festnahme: „Free, free Palestine!“ (S. 3). Ihnen ist gewidmet:
Johannes Gerloff: Die Palästinenser. Mythen und Märtyrer. Ergänzte Neuauflage. jOTA Publikationen, Muldenhammer 2025. 552 Seiten, 29,95 Euro. ISBN 978–3–949069–09–3
Gerloffs Buch erschien zuerst 2011 bei SCM Hänssler unter dem Titel „Die Palästinenser. Volk im Brennpunkt der Geschichte“ und hatte damals 384 Seiten.1 Jetzt liegt es bei jOTA Publikationen vor, mit neuem Untertitel, vielen Farbfotos und gut 550 Seiten.2 Wer allerdings eine Bilanz nach dem 7. Oktober 2023 erwartet, wird enttäuscht – und zwar mit Ansage.
Kein Update, sondern ein Nachtrag
„Nein, ich konnte dieses Buch nicht, wie gewünscht, auf den aktuellen Stand bringen“, schreibt Gerloff (S. 6). Was er beschreibe, habe er in fast zwei Jahrzehnten Recherche um die Jahrtausendwende selbst erlebt. Seit 2016 arbeitet der Theologe nicht mehr als Journalist und kann deshalb nicht mehr in gleichem Maß aus erster Hand berichten. „Kleinigkeiten“ habe er korrigiert, ergänzt oder gestrichen. Eine grundsätzliche Kurskorrektur sei nirgends nötig gewesen (S. 7).
Neu sind laut Vorwort fünf Dinge. Erstens hat Gerloff in das Kapitel über den Begriff Palästina eine weitere Theorie eingefügt, die ihm „neu, aber durchaus plausibel“erschien. Zweitens verweisen Chronologie und Bibliografie jetzt auf seine Website, wo er sie ergänzt. Drittens gibt es ein neues Schlusskapitel über einen Salafitenscheich aus dem libanesischen Flüchtlingslager Nahr el-Bared. In der deutschen Ausgabe sei es neu, weil Gerloff die Geschichte von Samer Achmed Muhammad al-Hadsch früher nicht veröffentlichen konnte, ohne ihn zu gefährden (S. 7). Viertens benennt er nun antisemitische Äußerungen und „propagandistische Lügen“, die er im palästinensischen evangelikalen Umfeld „wiederholt mit anhören“musste. In der Erstauflage habe er sie verschwiegen, um die Glaubensgeschwister, die ohnehin unter Druck stehen, nicht zusätzlich zu belasten (S. 7–8). Fünftens erzählt er die Geschichte vom „Gharqad“, dem „Judenbaum“. Er habe sie für so verschroben gehalten, dass er sich geschämt habe, sie aufzuschreiben. Heute hält er sie für „ein entscheidendes Puzzleteil, um zu verstehen, wie es zum 7. Oktober 2023 kommen konnte“ (S. 8).
Verschärft hat sich vor allem der Rahmen. Auf palästinensischer Seite erkennt Gerloff „nicht den geringsten Ansatz zu einer echten Umkehr“. Das Verständnis von Leuten, „die beide Seiten verstehen wollen“, nennt er „schlicht tödliches Gift“. Und weiter: „Das ständige Schielen auf die Fehler und Verantwortung Israels ist genauso anti-palästinensisch, wie jede Rechtfertigung der Ideologie des Dritten Reiches anti-deutsch ist“ (S. 6).
Der Reporter und seine Leitfrage
Das Buch selbst ist vor allem Reportage. Gerloff schreibt, die Palästinenser seien nie sein Wunschthema gewesen. Die „political correctness“ und „der Deutschen liebstes Kind: die Ausgewogenheit“ hätten es ihm aufgezwungen (S. 9, 11). Ein Journalist solle „weder Richter noch Aktivist sein“ (S. 17). Zugleich hält er es für seine Pflicht, „Korruption, Gewalt, Lügen und Judenhass beim Namen zu nennen“ (S. 12). Den Schlüsselsatz liefert ein christlicher palästinensischer Journalist: „Wir sind zum Opfer unserer eigenen Propaganda geworden. Unser Problem ist: Wir haben angefangen, die Lügen zu glauben, die wir selbst in die Welt gesetzt haben“ (S. 18).
Von diesem Satz her lassen sich Gerloffs Hauptthesen lesen.
Die erste These lautet: Die palästinensische Nation ist jung, und sie ist ohne Arafat nicht denkbar. Gerloff verfolgt den Begriff Palästina von der Antike bis zur Gegenwart. Mit der amerikanischen Journalistin Nancy Gibbs hält er fest, dass Golda Meirs berüchtigter Satz, es gebe keine Palästinenser, „damals“ nicht ganz falsch gewesen sei (S. 33). Arafat ist bei ihm kein neutraler Staatsgründer. Er befiehlt Terror, umgibt sich mit Getreuen und kontrolliert die Konten. Er versteht es „wie kein anderer“, Niederlagen in Siege umzumünzen. Das Kapitel endet lapidar: „Der Mann ist tot. Der Mythos lebt weiter“ (S. 60).
Die zweite These handelt von Flucht und Erinnerung. Das palästinensische Flüchtlingsdasein sei „Fluch und Adel zugleich“ (S. 69). Dem stellt Gerloff „Die Kehrseite der Medaille“ gegenüber, die jüdischen Flüchtlinge aus arabischen Ländern. Offiziellen UN-Schätzungen zufolge waren es 856.000 Menschen, neben rund einer Dreiviertelmillion arabischer Flüchtlinge. Mit dem aus Bagdad stammenden späteren Minister Schlomo Hillel spricht er von einem „Bevölkerungsaustausch“ (S. 86).
Die dritte These betrifft Jerusalem und die Al-Aqsa-Intifada. Gerloff räumt ein, dass Juden wie Araber ihre Ansprüche auf die Stadt „in Beton zu gießen“ versuchen (S. 151). Camp David sei vor allem am Tempelberg gescheitert (S. 138). Den Aufstand ab September 2000 deutet er nicht als spontane Reaktion auf Scharons Besuch dort. Er hält ihn für gezielt vorbereitet und stützt sich dabei auf beschlagnahmte Dokumente aus dem Orienthaus. Dessen Gründer Faisal al-Husseini habe die Oslo-Verträge als „trojanisches Pferd“ bezeichnet (S. 255–256).
Die vierte These ist die schärfste: Selbstmordterror entsteht nicht aus Verzweiflung, er ist Strategie. Gerloff besucht einen wohlhabenden Hebroner Kaufmann, dessen Sohn bei einem Angriff auf die Siedlung Kirjat Arba ums Leben kam. Nicht das wirtschaftliche Elend habe den Sohn in den Tod getrieben, schreibt er, „allen westlichen Erklärungsversuchen zum Trotz“ (S. 215). Ein junger Hamas-Aktivist erklärt ihm: „Unsere jungen Leute gehen in den Tod, weil sie Hoffnung haben“(S. 218–219). Und Scheich Najef Radschub sagt kühl: „Wir können die Märtyreroperationen anordnen oder einstellen, je nachdem das unserer Sache dient“(S. 218).
Zur fünften These gehören die Christen, und hier ist Gerloff am differenziertesten. Er zeigt, wie wild die Zahlen zu den Christen in Bethlehem schwanken: zwischen 3.600 und 75.000, je nach Quelle (S. 297–298). Die Auswanderung sei weniger ein Zeichen der Benachteiligung als „Symptom der Privilegien“, also von Bildung, Wohlstand und Verwandtschaft im Ausland (S. 304). Mit dem Bürgerrechtler Bassam Eid weist er die These einer gezielten Christenverfolgung zurück. Den Druck, unter dem die Christen stehen, verschweigt er dennoch nicht. Er nennt die Todesstrafe für Landverkauf an Nichtmuslime (S. 305–306), Ehrenmorde und die Lage von Konvertiten. Sehr hart urteilt er über das „Kairos-Palästina-Dokument“, das er „Politpropaganda in frommem Gewand“ nennt (S. 332). Ebenso hart fällt sein Urteil über die evangelikale Konferenz „Christus am Checkpoint“ in Bethlehem 2010 aus (S. 336–357).
Die sechste These betrifft den Weg nach „Hamastan“. Gerloff zeichnet den Weg der Hamas von ihrer Charta über den Wahlsieg 2006 bis zur Machtergreifung in Gaza 2007 nach. Dort begegnet er Menschen, die jedes erwartbare Klischee unterlaufen. Ein ehemaliger PA-Polizist antwortet auf die Frage nach der Lage: „Meine Liebe ist Adolf Hitler.“ Ein früherer Ingenieur der Amerikaner glaubt, 99 Prozent der Einwohner von Gaza würden „die Herrschaft der Israelis wählen“, wenn sie könnten (S. 414–415). Gerloff schildert auch die Ermordung des Bibelladenleiters Rami Ayyad 2007 und die Kämpfe zwischen Hamas und Salafiten (S. 419–424, 454–462).
Was die Bibel sagt – und was nicht
Das theologische Kapitel „Was sagt die Bibel zur Palästinenserfrage?“ war 2011 der Schluss des Buches. Es ist bis heute sein eigenwilligster Teil. Gerloff räumt ein, es sei „exegetisch als Kühnheit zu bezeichnen“, moderne Palästinenser mit biblischen Größen zu identifizieren. Da es aber alle täten, wage er es auch (S. 464). Nacheinander geht er Kanaaniter, Ismael, Araber, Philister, „Fremdling“, „Nachbar“ und Amalek durch.
Das Ergebnis ist differenzierter, als manche Kritiker christlicher Israelfreunde erwarten würden. Die Bibel stütze den „Mythos vom leeren Land“ nicht (S. 469). Eine „Blut-und-Boden-Theologie“ und Rassismus ließen sich biblisch nicht begründen (S. 511). Amalek sei ein „geistliches Prinzip“, kein Volk, das man heute benennen könne (S. 520). Oft zeige die Schrift Israel als den Sündigenden, während „die Anderen“ den höheren ethischen Standard an den Tag legten (S. 522). Im Kern läuft das Kapitel auf eine Formel zu: Fremdlinge haben „zwar kein Recht auf das Land, wohl aber ein von Gott verliehenes Recht im Land“. Das jüdische Israel habe ihnen „gleiche Rechte bei gleichen Pflichten“ zu gewähren (S. 522–523).
Doch an dieser Stelle zieht Gerloff eine Bedingung ein. Entscheidend sei die Loyalität gegenüber dem Gott Israels, und diese erweise sich „nicht zuletzt an der Loyalität gegenüber dem auserwählten Volk“ (S. 523). Ein „Recht auf Widerstand“oder auf kulturelle Autonomie sehe die Bibel für Nichtisraeliten im Land nicht vor (S. 514). Innerhalb seines heilsgeschichtlichen Rahmens ist das folgerichtig. Wer es aber als politische Ordnung liest, muss fragen, was daraus für Menschen folgt, die diese Loyalität verweigern. Schon 2011 warnte ein Rezensent, der Autor schramme hier „stellenweise an einem Biblizismus vorbei, der im Endeffekt keinem der Konfliktpartner nützt“.3
Was das Vorwort verspricht – und was der Text hält
Am Text lassen sich die angekündigten Änderungen überprüfen. Nicht alle sind gleich gut zu finden.
Die neue Theorie zum Namen Palästina steht auf den Seiten 20 bis 22. Gerloff referiert den Orientalisten David Jacobson. Danach könnte das griechische Wort „Palaistine“ ein Wortspiel sein. Es verbinde das griechische Wort für den Ringkämpfer, angelehnt an Jakobs Kampf am Jabbok, aus dem der Name Israel hervorging, mit „Peleschet“, dem Land der Philister. Gerloff stellt das als Hypothese vor, nicht als Beweis. So ist es richtig.
Die Gharqad-Passage steht auf den Seiten 243 bis 248 und gehört zu den stärksten Seiten des Buches. Gerloff greift die Unterscheidung der Terrorismusforschung zwischen Fähigkeiten und Motivation auf. Ihn habe immer nur die Motivation interessiert (S. 243). Dann zitiert er den von Mahmud Abbas eingesetzten Großmufti von Jerusalem, Muhammad Hussein. Im Januar 2012 sprach dieser bei der Feier zum 47. Gründungstag der Fatah im offiziellen PA-Fernsehen den Hadith von Steinen und Bäumen, die versteckte Juden verraten, „außer dem Gharqad-Baum“. Er fügte hinzu, es sei „kein Wunder“, dass man heute rund um die Siedlungen Gharqad-Bäume sehe (S. 244–246). Gerloff erinnert daran, dass derselbe Hadith in Artikel 7 der Hamas-Charta steht (S. 245). Er referiert fair, dass muslimische Gesprächspartner die Überlieferung als Fälschung, als bloße Beschreibung oder als Aussage über den Antichristen deuten (S. 247). Die Passage endet mit Jahja Sinwar im Jahr 2021 (S. 248). Den ausdrücklichen Schritt zum 7. Oktober macht allerdings nur das Vorwort. Das Kapitel selbst führt ihn nicht aus.
Die antisemitischen Äußerungen aus dem evangelikalen Umfeld findet man vor allem in einer Szene aus dem Jahr 2001. Gerloff sitzt in Beit Dschallah bei palästinensischen Christen, während Gilo beschossen wird und Israel zurückschlägt. Ein Freund, PA-Mitarbeiter und bekennender evangelikaler Christ, sagt: „Wir sollten alle Juden umbringen!“ Seine Frau fügt hinzu: „Die brauchen das, was ihr vor sechzig Jahren in Deutschland hattet!“ (S. 190). Gerloff schreibt, er könne die Wut der Leute nach Nächten unter Hubschraubern verstehen, und versucht es dann mit Ironie. Am Ende bleibt ihm die Einsicht, dass rationale Gespräche „in dieser Atmosphäre“ zwecklos sind. Verwandte Beobachtungen aus christlichen Kreisen finden sich an weiteren Stellen. Ein palästinensischer Christ meint, ein Muslim bleibe auch nach seiner Bekehrung „ein Dieb und Lügner“ (S. 311). Den Rednern der Konferenz „Christus am Checkpoint“ hält Gerloff eine ganze Reihe „faktischer Irrtümer“ vor (S. 349–351). Hier liegt eine Schwäche der Neuauflage. Sie kennzeichnet ihre Ergänzungen nicht. Welche Stellen 2011 tatsächlich fehlten, lässt sich nur durch einen Abgleich mit der Erstausgabe klären.
Am deutlichsten neu ist das „Finale“ (S. 530–544). Samer, Enkel eines algerischen Einwanderers und Sohn eines Arafat-Kämpfers, wächst in Nahr el-Bared auf. Er wird salafitischer Scheich und lernt in der Madrasa: „Der Koran lehrt uns, die Juden zu töten.“ Dann begegnet er Christen, liest anderthalb Jahre die Bibel und wendet sich Jesus zu. Sein Bruder will ihn töten, er flieht nach Beirut. Dort feiert er mit Gerloff am Freitagabend den Schabbat, weil auch „Jeschua“ den Schabbat gehalten habe. Auf Zypern wäscht ihm ein messianischer Jude die Füße. Sein letzter Satz im Buch lautet: „Jeschua hat die Feindschaft in meinem Herzen getötet!“ (S. 544). Das Kapitel greift die Beschreibung von Nahr el-Bared im Kapitel über Sabra und Schatila auf. Es gibt dem Buch einen Schluss, der über die Politik hinausweist. Zugleich bekommt das Buch damit eine missionarische Pointe, die nicht jeder Leser teilen wird.
Stärken und Grenzen
Gerloffs Stärke ist das Zuhören. Er sitzt mit Raketenschützen der Al-Aqsa-Brigaden im Wohnzimmer (S. 425–434), mit den Eltern von Attentätern und mit Hamas-Kandidaten. Er lässt auch die palästinensischen Selbstkritiker zu Wort kommen, die sonst kaum jemand zitiert. Haider Abdel Schafi nennt Arafat „ein Symbol der Desorganisation“ (S. 284–285). Zwei Friedensaktivisten in Tulkarem werden gefragt, warum sie nicht gegen die Gewalt aus den eigenen Reihen demonstrieren. Ihre Antwort: „Das würden wir nicht überleben!“ (S. 287). Wo Aussage gegen Aussage steht, etwa bei den Krankenwagen (S. 210–211) oder beim Tod der Familie Ghalia am Strand von Gaza 2006, sagt er das auch. Im zweiten Fall räumt er ein, dass Israels Ermittler „den positiven Gegenbeweis“ schuldig blieben (S. 382). Bezeichnend ist eine Notiz am Rande. Seine Reportage über die Raketenschützen wurde 2008 über eine Agentur 280 deutschen Tageszeitungen angeboten, und keine einzige druckte sie (S. 434).
Die Grenzen liegen ebenso offen. Gerloff stützt sich bei Statistiken und Dokumenten überwiegend auf israelische oder israelnahe Institute. Sein Ton kippt gelegentlich ins Abschätzige. Den Warenübergang Karni zum Gazastreifen nennt er „so etwas Ähnliches wie ein riesiger toter Briefkasten zur Fütterung gefährlicher Raubtiere“ (S. 384). Ein solches Bild passt schlecht zu einem Autor, der Pauschalurteile über „die Palästinenser“ eigentlich auflösen will. Schwerer wiegt, dass die Analysen der Jahre um 2010 fast unverändert stehen geblieben sind. Für 2010 verzeichnet Gerloff eine israelisch-palästinensische Zusammenarbeit „so gut wie noch nie zuvor“ und nennt sie „eindeutig eine Frucht der Mauer“ (S. 269). Für die Westbank spricht er von der „terrorärmsten Zeit des Jahrzehnts“ (S. 453). Den „Vorteil der Hamasherrschaft“sieht er aus israelischer Sicht darin, „dass man ein Gegenüber hat, das (an-)greifbar ist“ (S. 441). Nach dem 7. Oktober liest man solche Sätze als historische Dokumente. Das Buch hilft dabei wenig, denn zwischen dem scharfen Vorwort von 2025 und dem Befund von 2010 vermittelt kein Kapitel.
Schon 2011 nannte der Rezensent das Buch „sachkundig, wenn auch nicht immer sachlich“, „alles andere als ausgewogen“ und gerade deshalb „durchaus lesenswert“. Daran hat sich nichts geändert, und Gerloff wird es als Kompliment verstehen.
Fazit
Wer wissen will, was 2025 über die Palästinenser zu sagen ist, findet dazu das Vorwort. Wer verstehen will, wie Märtyrerkult, Propaganda, Clanloyalität und religiöse Endzeitbilder in den Jahren zwischen Oslo und Gaza-Krieg zusammenwirkten, findet ein dichtes, oft beklemmendes Zeitzeugnis. Es stammt von einem Reporter, der jahrelang selbst vor Ort war. Die Ergänzungen sind schmal, aber gewichtig: der Gharqad, die offengelegten Äußerungen aus dem evangelikalen Umfeld und Samers Geschichte. Sie unterstreichen Gerloffs Grundanliegen, nicht nach den Fähigkeiten, sondern nach den Motiven der Akteure zu fragen.
Am Ende fällt der Schlüsselsatz des Buches auch auf seine Leser zurück. Zum „Opfer unserer eigenen Propaganda“ kann jede Seite werden, auch die der Freunde Israels. Gerloff verlangt Wahrhaftigkeit als Voraussetzung jeder Versöhnung und macht sie zu seinem eigenen Maßstab (S. 8). Das ist ein hoher Anspruch. An ihm ist auch sein Buch zu messen.
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Einsendeschluss: Sonntag, 25. Oktober 2026.
Bibelbund: Rezension zu „Die Palästinenser. Volk im Brennpunkt der Geschichte“, SCM Hänssler 2011.
SCM Shop: Johannes Gerloff, Die Palästinenser. Mythen & Märtyrer, jOTA Publikationen, erschienen am 25.08.2025.
Stefan Meißner: Rezension zu Johannes Gerloff, „Die Palästinenser“ (Ausgabe 2011).





