Der Gott der Lebenden
Jesu Auferstehungsbeweis aus 2. Mose 3,6 ist keine christliche Erfindung, sondern rabbinische Meisterleistung – verwurzelt in pharisäischer Exegese und Bundestheologie.
Etwa in der Mitte des Wochenabschnitts Schemot hütet Mose die Schafe seines Schwiegervaters Jitro und gelangt dabei zum Berg Horeb. Dort erscheint ihm der Engel des HERRN in einer feurigen Flamme aus einem Dornbusch. Er sieht, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Als Mose hinzutritt, um sich das Ereignis anzusehen, spricht Gott ihn an und stellt sich ihm mit den Worten vor:
Ich bin der Gott deines Vaters,
der Gott Abrahams,
der Gott Isaaks
und der Gott Jakobs. Diese Worte zitiert Jesus nach dem Markusevangelium 12,26 (mit einer Parallele in Lukas 20,37). Der Evangelist schildert eine Szene von hoher dramatischer Dichte. Jerusalem, der Tempelvorhof, die Luft flirrt vor theologischer Spannung. Diesmal sind es nicht die Pharisäer, die Jesus prüfen, sondern die Sadduzäer, eine aristokratische Priestergruppe, die für ihren konservativen Literalismus bekannt war. Sie lehnten die mündliche Tora ab und akzeptierten nur das geschriebene Wort der fünf Bücher Mose als Autorität. In diesen Schriften fehlt laut ihrem Argument jene Lehre, die den Pharisäern so wichtig war: die Techijat HaMetim, die Auferstehung der Toten.
Für die Sadduzäer war der Tod das Ende. Die Seele verging mit dem Körper und es gab Belohnung oder Strafe nur im Diesseits – eine typische Theologie der Reichen, die in ihrem Leben nicht viel zu klagen hatten. Ihre Frage an Jesus über die Frau mit den sieben Männern war daher keine Frage des ehrlichen Interesses an der Leviratsehe, sondern diente der Reductio ad absurdum. Sie wollten zeigen, wie lächerlich das Konzept einer künftigen Welt ist, wenn man es mit den irdischen Gesetzen der Tora konfrontiert.
Doch die Antwort Jesu – und das ist faszinierend, wenn man sich mit jüdischer Schriftauslegung beschäftigt – greift nicht auf die Propheten zurück. Er zitiert nicht Daniel oder Jesaja, wo die Auferstehung greifbarer wäre. Er akzeptiert die Spielregeln der Sadduzäer und argumentiert „sola scriptura“, allein aus der Tora. Und er tut dies auf eine Weise, die im tiefsten Sinne rabbinisch ist.
Die Grammatik der Ewigkeit
Was aber die Toten betrifft, dass sie auferweckt werden: Habt ihr nicht im Buch Mose gelesen, bei dem Dornbusch, wie Gott zu ihm redete und sprach: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? (Markus 12,26).
Jesus führt die Sadduzäer mit diesem Zitat zurück zum fundamentalen Moment der Selbstoffenbarung Gottes in 2. Mose 3,6 und sein Argument ist subtil. Er verweist auf das Präsens der göttlichen Aussage. Gott sagt nicht: „Ich war der Gott jener Männer, die nun Staub sind.“ Er sagt: „Ich bin es.“
Das Zitat enthält noch ein zweites, gleich gewichtiges Argument: Gott ist der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Wie kann er gleichzeitig der Gott aller drei Erzväter sein, die doch nicht alle miteinander lebten? Die Antwort lautet: in der Auferstehung der Toten.
Die theologische Schlussfolgerung, die Jesus zieht, ist schlicht: „Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden“ (Vers 27). Wenn sich Gott durch seine Beziehung zu Abraham definiert, dann kann Abraham nicht einfach aufgehört haben zu existieren. Eine Beziehung erfordert zwei Partner. Wenn sich der Ewige an einen Menschen bindet, verleiht diese Bindung dem Menschen Anteil an der Ewigkeit. Der Tod kann diesen Bund nicht annullieren. Damit Gott der Gott Jakobs sein kann, muss Jakob in den Augen Gottes lebendig sein, d. h. er muss für die Auferstehung bewahrt werden.
Es ist ein Argument aus der Beziehung: Die Treue Gottes ist der Garant der Auferweckung aus den Toten.
Das Echo im Lehrhaus
Wer glaubt, diese Art der Exegese sei ein Alleinstellungsmerkmal des Neuen Testaments, muss nur einen Blick in den Talmud, genauer gesagt in den Traktat Sanhedrin, werfen. Im Kapitel Chelek (Sanhedrin 90b–92b) finden wir die Weisen Israels in genau derselben Auseinandersetzung. Auch sie mussten die Lehre der Auferstehung gegen die Sadduzäer (im Talmud oft als Minim, also Sektierer, bezeichnet) verteidigen, und auch sie suchten den Beweis ausschließlich in der Tora. Die Parallelen sind frappierend, auch wenn die exegetischen Nuancen variieren.
Rabban Gamliels Grammatik des Bundes
Die Sadduzäer fragen Rabban Gamliel – einen Zeitgenossen der neutestamentlichen Autoren – nach einem Tora-Beweis für die Auferstehung. Seine Antwort ist 2. Mose 6,4: Und ich habe auch meinen Bund mit ihnen aufgerichtet, um ihnen das Land Kanaan zu geben.
Rabban Gamliel fokussiert sich auf ein winziges grammatisches Detail: Die Tora sagt nicht „um euch zu geben“ (an die gegenwärtige Generation), sondern „um ihnen zu geben“ – an Abraham, Isaak und Jakob persönlich. Seine Schlussfolgerung: Wenn die Patriarchen das verheißene Land erben sollen, müssen sie körperlich auferstehen. Gottes Verheißungen sind nicht symbolisch oder übertragen gemeint, sondern verbindlich.
Zwei Wege, ein Ziel: Bundestheologie als Auferstehungslogik
Sowohl das Argument von Jesus als auch das von Rabban Gamliel wurzeln in derselben theologischen Voraussetzung: Der Bund Gottes mit den Patriarchen ist kein abgeschlossenes historisches Kapitel, sondern eine ewige Beziehung (brit olam). Während Rabban Gamliel aus der Landverheißung argumentiert – die Patriarchen müssen leben, um zu erben –, argumentiert Jesus aus der Selbstoffenbarung Gottes: Gott definiert sich durch seine Beziehung zu den Patriarchen – im Präsens.
Jesus’ Methode ist dabei vielleicht noch etwas subtiler: Das Präsens „Ich bin“ (in der Septuaginta ego eimi) impliziert eine fortdauernde, aktive Beziehung. Die Grammatik der Gottesrede offenbart eine tiefe Wahrheit: Wer in der Beziehung zum lebendigen Gott steht, kann nicht tot bleiben. Der Bund mit den Patriarchen und mit Israel durchbricht die Todesmacht.
Weitere rabbinische Strategien: Die Vielfalt pharisäischer Exegese
Der Talmud dokumentiert weitere kreative Versuche, die Auferstehung aus der Tora zu beweisen. So nutzt Rabbi Simai die Wiederholung in 4. Mose 15,31 („ausgerottet wird sie ausgerottet“) und fragt: Wenn jemand in dieser Welt ausgerottet wird, wann erfolgt die zweite Ausrottung? Offenbar nach der Auferstehung, in der kommenden Welt.
Andere Rabbiner zitieren 5. Mose 31,16: „Du wirst dich zu deinen Vätern legen und [du wirst] aufstehen...“ Die syntaktische Doppeldeutigkeit des Hebräischen – bezieht sich „aufstehen“ auf Mose oder das Volk? – wird hier zugunsten der Auferstehungsverheißung ausgelegt.
Maimonides und die Normierung des Glaubens
Im 12. Jahrhundert kodifizierte Maimonides in seinem Kommentar zu Perek Chelek die Auferstehung der Toten als eines der dreizehn Glaubensprinzipien des Judentums. Er behandelte die talmudischen Verse allerdings als remazim, also Andeutungen und keine direkten Beweise. Die eindeutigsten biblischen Grundlagen sah er in Daniel 12,2 und Jesaja 26,19, dennoch erkannte er die Legitimität der pharisäischen Methode an, die Lehre in der Tora selbst zu verankern.
Zwei Wege, ein Ziel
Was macht Jesu Exegese bemerkenswert? Er argumentiert aus der Selbstoffenbarung Gottes. Am Dornbusch – dem Ort, an dem Gott seinen Namen erstmals offenbart und den Exodus ankündigt – definiert er sich nicht durch abstrakte Attribute, sondern durch Beziehungen: „Ich bin der Gott Abrahams ...“.
Diese Selbstdefinition ist keine nostalgische Erinnerung, sondern eine Gegenwartserklärung. Gott ist kein Archivar toter Helden, sondern der lebendige Partner eines ewigen Bundes. Im 20. Jahrhundert argumentierte Rabbiner Joseph B. Soloveitchik, dass die Auferstehung keine biologische Kuriosität ist, sondern die Konsequenz der Bundestheologie:
Was Gott in Beziehung zu sich nimmt, kann nicht im Nichts enden.
Jesu Streitgespräch mit den Sadduzäern zeigt ihn als Meister pharisäischer Schriftauslegung. Seine Methode – die Auferstehung aus der Bundeslogik abzuleiten – steht in direkter Linie zu Rabban Gamliels Argument aus Exodus 6,4, denn beide erkennen gleichermaßen: Der Bund Gottes ist stärker als der Tod. Wer „Ich bin“ zu den Patriarchen sagt, verpflichtet sich zu ihrer Zukunft.
Die Sadduzäer lasen die Tora als ein Buch der Geschichte und der Gesetze für diese Welt. Jesus, die Pharisäer und die rabbinischen Weisen lasen die Tora als ein Buch des Lebens.



Ricklef, diese Gesamtschauen von Jesus, der Schrift und den Rabbinen finde ich super und für mich sehr hilfreich. Danke!
Herzliche Grüße
Friedrich
Wer an den Gott Abraham, Isaak, Jakob, Moses und aller Propheten glaubt bekennt sich zu Gott und zählt damit zu den Gläubigen. Dieses Bekenntnis macht Sie zu geistig Lebenden. Sie sind vor Gott nicht mehr dem Reich der geistig Toten zugehörig. Das ist jenes Reich von Unten wo man keine Verbindung eingehen soll. (3. Mos. 19, 31) « Du sollst die Toten nicht befragen»
Da wir unseren ewigen geistigen Leib im Reiche bei Gott erhalten haben müssen Sinngemäss alle Aussagen aus dem Reiche Gottes, auf dieses geistige ewige Reich hindeuten. So hat auch der Sohn des Allerhöchsten Zeit seines Lebens zu den Menschen gesprochen.
Am Beispiel von Moses: Dieser hat seinen Namen und seine Gestalt seit er im Reiche Gottes geistig geboren wurde ehe diese materielle Welt war. Als er im geistigen Reiche bei Gott den Auftrag von Gott erhalten hatte, wurde er in einen menschlichen Körper geboren und Gott sprach zu Ihm im Erdenreich wie uns überliefert ist. Moses war kein gefallenes Wesen, kein aus dem geistigen Reiche zu den geistig Toten gestürztes Wesen. Er kam mit seinem geistigen Körper von Oben in den menschlichen Leib und kehrte auch wieder auf diesem geistigen Weg zurück wie die anderen Propheten. Die geistige Person mit all unserem Denken lebt ewig wie wir alle auch.
Darum konnte auch Jesus auf dem Berg Tabor mit Moses und Elija sprechen, weil auch Sie ewig geistig Leben und von Oben kamen.
Gott und sein einziger aus Ihm geistig geborener Sohn versuchten die Menschen auf Ihre geistige Heimat hinzuweisen. Jesus verwies immer auf seinen Vater im Himmel. Das letzte mal bei der Verurteilung vor dem Pilatus. Dort bestätigte er noch einmal, dass er ein König im geistigen Reiche bei Gott sei. Das sollte dann dem letzten spätesten in diesem Jahrhundert klar werden, dass dieser Jesus nicht Gott ist wie frühere Kirchenväter behaupteten.
Nun aber noch ein Trost.
Nach seinem irdischen Tod am Kreuz hat Jesus, der geistig von Oben her ins menschliche Dasein geborene Sohn des Allerhöchsten mit dem geistigen Namen Christus, im geistige Reiche der Toten Gericht gehalten im Auftrage seines Vaters.
Er hat die Tore zu Himmel, wo Abraham wartete, aufgestossen. Seither müssen wir nach einem irdischen Leben nicht mehr in das Reich der Toten zurück. Wir sind von dieser ehemaligen Schuld es Ungehorsams im Himmel erlöst. Wir zählen wieder zu den geistig Lebenden. Tod heisst im geistigen Reich, nicht an Gott und seine Gesetze zu glauben.
Alles was der Sohn des Allerhöchsten im Auftrage seines Vaters erschafft, dem gibt Gott das Od zum ewigen Leben. Darum ist Gott der geistige Vater von Abraham, Isaak, Jakob, Moses und aller Propheten und uns allen.
Darum sind wir alle Kinder Gottes auf dem geistigen Weg zurück in unsere geistige Heimat.
Dieser Jesus wollte keine neue Religion, sondern auf der Basis der von Oben gesandten Zeugen Gottes, den geistigen Brüder und Schwestern den Weg zurück in Ihre geistige Heimat weisen. Die Trennung vollziehen vorübergehend, hier auf dieser Erde, die Menschen selbst weil Sie noch nicht Gottes Worte verstehen.
Darum hat Jesus gesagt: (Mat. 5, 18..24,35.) «Meine Worte werden nicht vergehen»
Er hat den Auftrag von seinem Vater alle gestürzten wieder in sein Reich zurückzuführen nach den Gesetzen Gottes.
Gott zum Gruss
Peter