Die Struma-Katastrophe || Flucht, Gleichgültigkeit und Tod im Schwarzen Meer
Vor 84 Jahren, am 24. Februar 1942, starben 791 jüdische Flüchtlinge auf der Struma. Niemand rettete sie. Eine Geschichte über Gleichgültigkeit: der Gegenwart zur Erinnerung.
Das Schiff und seine Passagiere
Die MV Struma war kein Schiff, das man für eine Reise auf hoher See hätte wählen wollen. 1867 als elegante Dampfjacht gebaut, war sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem maroden Viehfrachter auf der Donau heruntergekommen, 45 Meter lang, kaum sechs Meter breit und mit einem notdürftig eingebauten, völlig unzuverlässigen Dieselmotor ausgestattet. Doch für fast 800 rumänische Juden, die im Dezember 1941 versuchten, dem nationalsozialistischen Terror zu entkommen, war dieses Wrack der einzige Weg in die Freiheit.
Organisiert von revisionistisch-zionistischen Gruppen – der Neuen Zionistischen Organisation und der Jugendbewegung Betar – zahlten die Passagiere hohe Summen für eine Passage an Bord. Ihnen wurde versprochen, sie würden auf einem renovierten Schiff reisen und in Istanbul ihre Einwanderungsvisa für Palästina erhalten. Die Realität, die sie beim Betreten des Schiffes vorfanden, war erschütternd: Die Struma verfügte lediglich über zwei Rettungsboote, und die Schlafpritschen in den engen, stickigen Unterkünften unter Deck waren so beschaffen, dass jeweils vier Personen nebeneinander auf einer Breite von 60 Zentimetern schlafen mussten. Schon beim Verlassen des Hafens von Constanța am 12. Dezember 1941 versagte der Motor – die Struma musste von einem Schlepper aus dem Hafen gezogen werden.




