Keren Stopka, Frauenärztin und Jüdin aus Flensburg, trägt ihren Davidstern „immer“ — er ist für sie untrennbarer Teil ihrer Identität, ein sichtbares Bekenntnis zum Jüdischsein. Im Gespräch mit Ricklef Münnich erzählt sie, warum sie ihn auch in unsicheren Zeiten nicht ablegt: Sichtbarkeit ermöglicht Begegnung. Negative Reaktionen erlebt sie selten direkt auf den Stern, häufiger jedoch eine Pauschalisierung, bei der sie für die israelische Politik verantwortlich gemacht wird. Dagegen wehrt sie sich entschieden: „Ich bin nicht Netanjahu.“ Ihr Herz gehöre Israel, doch politische Verantwortung trage sie so wenig wie für die deutsche Regierung.
Anlass des Gesprächs war der Prozess am Amtsgericht Flensburg gegen einen Ladeninhaber, der „Juden haben hier Hausverbot“ ins Schaufenster gehängt hatte. Keren besuchte die Verhandlung, um zu sehen, wie ein Rechtsstaat mit solcher Hetze umgeht. Am Hochsicherheits-Eingang wurde sie aufgefordert, ihre Kette abzulegen — als „bekenntnisorientierte Kleidung“. Ihr Angebot, den Stern unter dem T-Shirt oder in der Hosentasche zu verbergen, wurde abgelehnt; sie musste ihn vollständig abgeben. Besonders verstörend: Man bezeichnete ihn als „Judenstern“. Ein jüdischer Mann mit Kopfbedeckung durfte diese behalten. Inzwischen hat das Gericht um ein klärendes Telefonat gebeten.
Zu dem Geschehen hatte ich geschrieben:
Wenn der Stern stört: Mein Kommentar zur Flensburger Gerichtsentscheidung
Es gibt Momente, in denen ein Rechtsstaat sich selbst im Spiegel begegnet und das eigene Bild nicht erträgt. Der Prozess am Amtsgericht Flensburg gegen einen Ladeninhaber, der „Juden haben hier Hausverbot“ in sein Schaufenster hängte, ist ein solcher Moment. Verhandelt wird die Volksverhetzung – und ausgerechnet vor dem Saal, in dem über diese Hetze geu…
Für Keren steht der Vorfall für ein größeres Muster: Jüdische Identität soll möglichst unsichtbar bleiben. Dass ausgerechnet bei einem Antisemitismus-Prozess der Davidstern als Provokation gilt, hält sie für ein alarmierendes Signal. Trotz allem bleibt sie hoffnungsvoll. In ihrer Praxis begegnet sie vielen arabischen Frauen „auf einer menschlichen Ebene“, die sie sehr schätzt. Flensburg erlebt sie als friedlich, fast als „Insel der Glückseligkeit“.
Ihr Appell an die Gesellschaft: offenes Interesse statt vorgefasster Meinungen. „Stellt Fragen, fragt und fragt.“ An die Politik gerichtet: „Geht in die Schulen, kümmert euch um unsere Kinder“ — durch Diskussion und echte Begegnung statt heruntergebeteter Fakten.
Das Gespräch endet als Einladung: Keren ist bereit, weiter mit Leserinnen und Lesern ins Gespräch zu kommen. Wenn du an einem Folgegespräch mit ihr Interesse hast, um deine Fragen direkt an sie zu richten, schreibe mir eine kurze E-Mail.




