Oppenheimers Überblick || Wo Israel wirklich zusammenwächst
Zehn Tage Krankenhaus zeigten mir, was die Politik nicht schafft: Araber, Siedler-Jüdinnen, Äthiopier, Russen – Hand in Hand. Beginnt Frieden vielleicht am Krankenbett?
Schalom allerseits!
vielleicht ist euch aufgefallen, dass ich in letzter Zeit nicht viel geschrieben habe. Das ist zwar etwas schade, aber dafür gab es einen guten Grund: Mehr als zehn Tage lang lag ich im Krankenhaus. Irgendein bösartiges Virus hatte mich erwischt, und es brauchte wirklich starke Antibiotika, um mich aus der sehr unangenehmen Situation herauszuholen, in der ich war. Ein Unglück kommt selten allein.
Ehrlich gesagt war das das erste Mal, dass ich länger als vierundzwanzig oder achtundvierzig Stunden im Krankenhaus lag. Ich habe zwar schon verschiedene Operationen und Behandlungen hinter mir, aber keine, die einen längeren Aufenthalt erfordert hätte – eher solche, bei denen man sich schon am Tag nach dem Eingriff wieder von einem verabschiedet. Diesmal war es anders. Von Anfang an machte man mir klar, dass die Sache nicht schnell vorbei sein würde und dass ich mich auf einen längeren Aufenthalt einstellen müsse. Kein Vergnügen, aber schon okay. Ich kann ein bisschen was aushalten.
Eines der wichtigsten Dinge im Krankenhaus ist das Betreuungsteam – Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger sowie die verschiedenen medizinischen Assistenten. Eine gute Behandlung und ein freundlicher Umgang sind die Grundlage für eine halbwegs vernünftige Genesung und dafür, aus dem Schlamassel herauszukommen, in den ich geraten war. Und insgesamt war die Betreuung wirklich sehr gut. Abgesehen vom schlechten Essen hatte ich nichts zu beklagen. Aber was das Essen angeht – so ist das nun einmal im Krankenhaus, wenn man salzarm, zuckerarm und arm an Lebensfreude essen muss. Ich habe gegessen und still gelitten. So wurde ich erzogen.
Und so fiel mir, während ich im Krankenhaus lag und versuchte durchzuhalten, ein bemerkenswertes Phänomen auf: Die Zahl der arabischen Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern lag deutlich über ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Genaue Zahlen kannte ich zwar nicht, aber mein Eindruck war, dass ein großer Teil des medizinischen Personals aus arabischen Israelis besteht, die in den Gesundheits- und Pflegeberufen ihre Berufung und ihren Lebensunterhalt gefunden haben.
Das war mein Eindruck, noch bevor ich mich ein wenig genauer mit dem Thema beschäftigt habe. Hier ein Zitat von einer der israelischen Internetseiten:
„Das israelische Gesundheitssystem zeigt ein einzigartiges Bild von Integration und Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern. Während Minderheiten in vielen Bereichen mit Barrieren und Herausforderungen konfrontiert sind, ist gerade in den Gesundheitsberufen in den vergangenen zehn Jahren ein deutlicher Anstieg der arabischen Repräsentation zu verzeichnen.
Eine neue Studie von Professor Baruch Rosen von der Hochschule für Sozialarbeit der Hebräischen Universität sowie von Professor Sami Miari, Forscher an der Yale University und Dozent an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Tel Aviv, der außerdem Gründer des Arab Economic Forum ist und am Nationalen Institut für Gesundheitsforschung und Gesundheitspolitik veröffentlicht, zeigt beeindruckende Entwicklungen bei der Vertretung von Arabern in vier zentralen Berufsgruppen: Medizin, Krankenpflege, Zahnmedizin und Pharmazie. Die Studie liefert zugleich Einsichten in die Faktoren dieses Erfolgs sowie in die zukünftigen Herausforderungen.“
Die Studie zeigt, dass Araber im Jahr 2023 folgenden Anteil stellen:
25 % der Ärzte
27 % der Krankenpfleger und Krankenschwestern
27 % der Zahnärzte
49 % der Apotheker
Das stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Jahr 2010 dar, als der Anteil arabischer Ärzte noch unter 10 % lag. Der Zuwachs zeigte sich in allen vier zentralen Gesundheitsberufen, wobei sich jedoch unterschiedliche Wachstumsmuster erkennen ließen.
Professor Baruch Rosen sagte dazu:
„Im Gesundheitswesen – Gott sei Dank – behandeln Juden Araber, und Araber behandeln Juden … Ich weiß, dass es Ausnahmen gibt und dass Spannungen bestehen, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Aber die Mehrheit – man sieht es doch – arbeitet zusammen. Unter den Pflegekräften und medizinischen Mitarbeitern gibt es viel Kameradschaft. Es ist nicht so, dass alles perfekt wäre, aber dies ist ein Ort, an dem echte Zusammenarbeit stattfindet.“
Und dazu möchte ich noch einen weiteren Punkt hinzufügen, der mir wichtig erscheint: Die meisten Krankenschwestern, die mich betreut haben, waren religiöse Jüdinnen aus den Siedlungen – also gewissermaßen das gesellschaftliche Gegenstück zur arabischen Bevölkerungsgruppe. Und zumindest aus meiner laienhaften Sicht wirkte die Zusammenarbeit vollkommen harmonisch: professioneller Respekt, gegenseitige Achtung und vollständige Kooperation.
Auch das ist natürlich nur meine subjektive Wahrnehmung. Aber wenn es eine Chance auf jüdisch-arabische Zusammenarbeit gibt, dann beginnt sie ganz sicher im israelischen Gesundheitssystem, das allen eine echte Möglichkeit bietet – unabhängig davon, welcher Gemeinschaft man angehört.
Und wenn wir schon von verschiedenen Bevölkerungsgruppen sprechen, muss ich auch die große Zahl äthiopischer Juden erwähnen. Sie arbeiten vor allem in der Pflege und in einfacheren Tätigkeiten, doch auch hier war die Zusammenarbeit ausgesprochen beeindruckend.
Und dabei habe ich noch kein Wort über die Einwanderer aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion verloren, die ebenfalls einen beträchtlichen Teil der medizinischen Teams in Israel ausmachen. Insgesamt sieht man hier eine Art von Harmonie, die in der israelischen Gesellschaft eher selten ist. Für mich weist das auf eine einfache Tatsache hin: Wenn es ein gemeinsames Interesse gibt, kann alles funktionieren – und manchmal sogar erstaunlich gut.
Joram


