Purim 2026: Das Fest der Errettung – und ein historischer Tag
Manchmal fügen sich Geschichte und Gegenwart auf eine Weise zusammen, die sprachlos macht.
In den frühen Morgenstunden dieses Samstags, dem 28. Februar 2026 – nur einige Stunden vor Purim – starteten Israel und die Vereinigten Staaten unter dem Codenamen „Brüllen des Löwen” umfangreiche Luftangriffe auf den Iran. Israelischer Verteidigungsminister Katz sprach von einem „Präventivschlag, um Bedrohungen für den Staat Israel zu beseitigen”. Auf den Dächern Teherans filmten Iranerinnen und Iraner die Explosionen – und jubelten. „Freiheit, Freiheit!”, war zu hören .
Ob Zufall oder nicht: Der Iran ist das heutige Persien. Und Purim ist das Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus eben jenem Persien erinnert.
Was ist Purim? Die Geschichte aus dem Buch Esther
Purim ist eines der ausgelassensten Feste im jüdischen Kalender. Es erinnert an Ereignisse aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, überliefert in der Megillat Esther – der Estherrolle. Die Juden leben damals als Diaspora im persischen Weltreich unter König Achaschwerosch (dem historischen Xerxes I.).
Der mächtige Minister Haman fasst einen vernichtenden Plan: Alle Juden im gesamten Reichsgebiet sollen an einem einzigen Tag getötet werden – „vom Knaben bis zum Greis, Kinder und Frauen”. Den genauen Tag bestimmt Haman durch das Loswurf-Verfahren: Pur auf Hebräisch bedeutet „Los” – daraus leitet sich der Name des Festes ab.
Der Auslöser für Hamans Hass: Der Jude Mordechai verweigert ihm die vorgeschriebene Verbeugung. Haman lässt sogar einen Galgen für Mordechai errichten.
Esther: Mut im rechten Moment
Die Rettung kommt durch eine Frau. Esther, Mordechais Nichte, ist – ohne dass der König ihre Herkunft kennt – zur Königin aufgestiegen. Als Mordechai sie über Hamans Plan informiert, steht sie vor einer existenziellen Entscheidung: Schweigen und sich retten, oder für ihr Volk eintreten und damit ihr eigenes Leben riskieren.
Esther wählt den Mut. Sie enthüllt dem König ihre jüdische Identität und deckt Hamans Intrige auf. Der König lässt Haman an dem Galgen hinrichten, den dieser für Mordechai hatte errichten lassen. Das Volk wird gerettet. Was als Tag des Todes geplant war, wird zum Tag der Freude.
Wie wird Purim gefeiert?
Purim ist ein Freudenfest – bewusst laut, bunt und ausgelassen. Zu den zentralen Bräuchen gehören:
Megilla-Lesung: Die Estherrolle wird in der Synagoge vorgelesen; bei jedem Auftreten von Hamans Name wird gelärmt und gejohlt
Verkleidungen: Menschen verkleiden sich – das Verbergen der Identität (wie Esther ihre Herkunft verbarg) ist Thema des Festes
Mischloach Manot: Geschenkpakete mit Speisen und Getränken werden an Freunde und Nachbarn verschickt
Matanot La-Ewjonim: Gaben an Bedürftige – Freude soll geteilt werden
Purim-Se’uda: Ein festliches Mahl im Kreis der Familie
Persien damals – Iran heute
Die geografische und symbolische Verbindung ist unübersehbar. Das antike Persien, aus dem die Bedrohung der Juden einst kam, ist das heutige Iran. Jahrzehntelang hat die Führung der Islamischen Republik die Vernichtung Israels als erklärtes Ziel formuliert. Das Atomprogramm des Regimes, die Unterstützung von Terrorgruppen, die Raketenangriffe – all das trägt in israelischer Wahrnehmung Züge einer modernen Wiederholung der Haman-Logik: ein Regime, das die Auslöschung plant.
Die Operation wurde vom US-Verteidigungsministerium unter anderem „Operation Shield of Judah” genannt – Judas Schild. Auch dieser Name ist nicht zufällig gewählt: Mordechai stammte aus dem Stamm Benjamin, lebte in Juda. Das Schild Judas – ein alttestamentliches Bild für göttlichen Schutz.
Das Wunder von Purim: Verborgene Vorsehung
Einer der tiefsten theologischen Züge des Purimfestes ist die Verborgenheit Gottes. Im gesamten Buch Esther wird der Name Gottes kein einziges Mal erwähnt. Und doch fügen sich alle Ereignisse – die Erhöhung Esthers zur Königin, Mordechais Entdeckung einer Verschwörung, die Wendung in der Nacht vor der Hinrichtung – zu einer Rettungsgeschichte zusammen.
Die rabbinische Tradition lehrt: Das ist das eigentliche Purim-Wunder. Nicht Feuer vom Himmel, keine gespaltenen Meere – sondern das unscheinbare Ineinandergreifen menschlicher Entscheidungen und historischer Zufälle, hinter dem Gläubige die Hand der Vorsehung erkennen.
Ob der Angriff auf den Iran am Vorabend von Purim 2026 in diese Reihe gehört – das wird jeder für sich beantworten. Aber die Bilder aus Teheran, wo Iranerinnen und Iraner auf den Dächern stehen und „Freiheit! Freiheit!” rufen, während Rauch über der Stadt aufsteigt – diese Bilder hätten in der Megillat Esther ihren Platz gefunden.
Purim Sameach – Ein frohes Purimfest!
Das Fest erinnert uns: Bedrohung ist nicht das letzte Wort. Aus Trauer kann Freude werden, aus Angst Tanz. „Das Schicksal wendete sich” – so heißt es im Buch Esther. Wenahafochu – und es kehrte sich um. Das ist der Kern von Purim. Und vielleicht auch der Kern dieser Tage...
Siehe auch den Beitrag bei ahavta+ vom 13. März 2025:



