ahavta - Begegnungen

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Walter Rothschild || Die Sicht des Ungeduldigen – Ausblicke aus Zimmer 6

Komafragen zwischen Existenz und Galgenhumor: Ein Mann, ein Zimmer, ein Bein – und der gnadenlos ehrliche Bericht von einem fast tödlichen Sepsis-Trip.

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Dr Walter Rothschild
Juli 06, 2026
∙ Bezahlt

Immer wieder erreichten mich Fragen nach dem Gesundheitszustand von Rabbiner Dr. Walter Rothschild. Viele Leserinnen und Leser schlossen ihn in ihre Gebete ein. Sogar zwei Synagogengemeinden taten dies in ihren Gottesdiensten. Von Herzen Dank für alles!

Am Donnerstag der vergangenen Woche kehrte Walter Rothschild zurück nach Hause. Was er erlebt hat, schrieb er nun hier nieder: BACK FROM THE DEAD. Mechayeh HaMeytim. Mit seiner Erlaubnis folgt hier eine Übertragung ins Deutsche, die seine Wortspiele und Tonlagen zu erhalten versucht. Da es sich zum Teil um sehr persönliche, intime Erfahrungen handelt, ist der vollständige Text den Mitgliedern von ahavta+ vorbehalten.

Ricklef Münnich


Aus dem Jenseits zurück – Mechajé HaMetim

Ein partielles Blog-Intro

Gegen Ende Mai 2026 wäre ich, ziemlich unerwartet, beinahe gestorben. Nach mehreren Wochen, in denen mein Körper gegen innere Angriffe aus dem eigenen System um sein Überleben kämpfte, mit Hilfe von Operationen und vielen Medikamenten, und nach weiteren Wochen teilweiser Erholung von diesem Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, habe ich mich entschlossen, nun mehrere Brocken von Blogs und Meditationen zusammenzustellen, die in verschiedenen Krankenhäusern geschrieben wurden, als unvollständige Aufzeichnung dieser recht dramatischen Zeit. Manche Abschnitte waren schon zuvor an Freunde und Familie weitergegeben worden, aber alles wurde noch einmal überarbeitet, erweitert, aktualisiert und, wo möglich, berichtigt; es zeigt nun den Stand, an dem ich in mir selbst stehe.

Dies ist also eine Art Reiseblog einer ungeplanten Reise, deren Hauptziel darin bestand, mich im Wesentlichen dorthin zurückzubringen, wo ich begonnen hatte. Es ist, wie alles im Leben, am Ende nur ein erster Entwurf, ein Work in Progress. Aber es ist ein Anfang.

Über den Autor

Der Autor dieses Buches ist zum Zeitpunkt des Schreibens noch am Leben. Das ist die einzige biografische Tatsache, die wirklich zählt, und er möchte dem medizinischen, pflegerischen sowie dem Pflege- und Reinigungspersonal von Zimmer 6 für diese Tatsache danken, ebenso den Kolleginnen und Kollegen in den Zimmern 563 (MLK) und 283 (SJK) für die spätere Versorgung.

1. Meine erste Begegnung mit Zimmer 6

Ich habe in meinem Leben an vielen Orten gelebt oder gearbeitet, ob als Student, Arbeitnehmer oder Reisender, aber vor Kurzem habe ich Zimmer 6 zu dieser Liste hinzugefügt. Mein Besuch dort war keineswegs gut geplant, und ich hatte nicht stundenlang online verglichen und geprüft, ob das Zimmer ein Doppelbett hatte, ob Frühstück inbegriffen war, ob Haustiere erlaubt waren oder wo es auf der Karte lag.

Dennoch ist es eines der wichtigsten Zimmer meines Lebens geworden.

Wie gesagt, ich hatte nichts geplant, aber dann wachte ich an einem Freitagmorgen – dem 22. Mai 2026 gegen 2 Uhr – auf und hatte starke Schmerzen im linken Bein. Irgendwie schlief ich wieder ein, bis etwa 6 Uhr, als ich aufstand, um eine Rückfahrt nach Frankfurt/Main vorzubereiten, ironischerweise, um einem Kollegen auszuhelfen, der selbst gerade krank war. Doch dann kamen die Schmerzen plötzlich zurück, zusammen mit hohem Fieber. Ich begann zu einer Tageszeit, in der ich ohnehin schon weniger als gewöhnlich Sinn von mir gebe, noch weniger Sinn zu reden, und meine Töchter beschlossen, meine Reise und ihre eigene ebenfalls abzusagen und stattdessen einen Rettungswagen für mich zu rufen.

Wir haben das Glück, in der Innenstadt zu wohnen, und einer kam sehr schnell. Die Besatzung, ein junger Mann und eine Frau in roten Uniformen und mit allerlei Geräten zum Messen und Testen, prüfte, ob ich meinen eigenen Namen, den Wochentag oder das Stehen ohne Hilfe noch beherrschte, und entschied schnell, dass sie mich ins Krankenhaus bringen sollten. Ich wurde auf einen kleinen rollenden Wagen geschnallt, wurde aber bald ohnmächtig.

An die Fahrt kann ich mich kaum erinnern, auch nicht an den ganzen Tag oder die folgenden. Offenbar war auch reichliches, unschönes, schwallartiges Erbrechen im Spiel. Aber das Krankenhauspersonal im Martin-Luther-Krankenhaus beschloss, mich freundlich aufzunehmen – trotz des Chaos und trotz des Fehlens einer vorherigen Buchung. Für die Verwaltung wurde ich Zimmer 6 auf der Intensivstation zugeteilt. Dort blieb ich dann die nächsten zwei Wochen, auch wenn es sich nicht immer so anfühlte. Schläuche und Monitore wurden hier und hier und hier in mich hineingesteckt – fragen Sie bitte nicht nach der letzten Stelle.

Als ich dann, vielleicht drei oder mehr Tage später, zum ersten Mal wieder aufwachte, fand ich mich hier wieder – in Zimmer 6. Schon der Name zeigt, dass es weitere, benachbarte, ähnliche Zimmer in der Nähe gab, aber die waren für mich persönlich nicht wichtig; daher konzentriere ich mich hier auf meine eigenen Erfahrungen in, um und hinter Zimmer 6.

2. Was war passiert?

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