Das Klavier stand offen. Zwei Jahre lang hatte niemand im Haus der Familie Ohel in Lawon, einem kleinen Ort in Obergaliläa, den Deckel geschlossen. Es war, so erzählte seine Tante Nirit Kremer Ohel am Morgen des 13. Oktober 2025, ein stilles Versprechen: Das Instrument wartet. An jenem Morgen versammelte sich das Dorf schon in der Dämmerung vor einem Bildschirm. Als die ersten Bilder des freigelassenen Alon über das Fernsehen liefen, sprangen die Menschen auf, jemand blies den Schofar, und der Vorsteher des Ortes entkorkte eine Flasche Rotwein mit Alons Bild auf dem Etikett. Idit Ohel, seine Mutter, hatte sie zwei Jahre lang aufbewahrt, für den Augenblick, in dem die Familie wieder vereint sein würde.1
Es war Hoschana Rabba, der letzte Tag des Laubhüttenfests.2 Entführt worden war Alon Ohel an Simchat Tora, dem Fest der Freude an der Weisung. Zwischen beiden Festtagen lagen 738 Tage.
Jetzt, ein Jahr darauf, lohnt es, diese Geschichte erneut zu erzählen. Sie zeigt, wie ein Mensch und ein ganzes Land versuchen, aus einem Abgrund wieder an die Oberfläche zu kommen.
Der Schutzraum an der Straße 232
Alon Ohel war 22 Jahre alt, als er am 7. Oktober 2023 zum Nova-Festival nahe dem Kibbuz Re’im fuhr. Er hatte mit neun angefangen, Klavier zu spielen, in der Schule Musik studiert, sich an Klassik und Jazz geschult, Konzerte gegeben.3 Er war gerade von einer langen Reise durch Asien zurückgekehrt; der Umzug nach Tel Aviv und ein Jazzstudium an der Rimon-Musikschule standen bevor.4 Das letzte Stück, das er an jenem Abend zu Hause auf dem Klavier spielte, war „Schir lelo Schem“, das „Lied ohne Namen“.5
Als die Raketen kamen und dann die Kalaschnikows, flüchtete er mit etwa dreißig anderen in einen jener Betonunterstände am Straßenrand, die die Überlebenden später „Todesschutzräume“ nannten.6
Neben ihm saßen Aner Schapira und Hersh Goldberg-Polin. Schapira fing eine Handgranate nach der anderen auf und warf sie zurück, sieben Mal. Die achte tötete ihn. „Er hat mir nicht einmal in die Augen gesehen“, erinnerte sich Ohel später. „Er war ein Wahnsinniger, und er hat uns alle gerettet.“ Goldberg-Polin versuchte es ihm gleichzutun und verlor dabei seinen linken Arm. Splitter dieser Explosion, glaubt Ohel, zerstörten weitgehend die Sehkraft seines rechten Auges.7 Von den Menschen in diesem Unterstand überlebten nur wenige.8
Die Terroristen warfen ihn „wie einen Kartoffelsack“ auf die Ladefläche eines Pick-ups.9 Schon in diesen Sekunden, sagt er, habe er einen Satz zu sich selbst gesprochen, der zur Grundmelodie der folgenden zwei Jahre werden sollte: „Egal was passiert, ich wähle das Leben.“
Ein Klavier, das niemand kannte
Was folgte, beschreibt Ohel in seinem ersten großen Interview mit dem israelischen Kanal 12 im Dezember 2025 mit unpathetischer Nüchternheit. Im Krankenhaus in Gaza wurden die Geiseln vernäht, die Splitter noch im Körper, ohne Betäubung. Sprechen war verboten. Die ersten 52 Tage verbrachte er über der Erde, dann ging es hinab in die Tunnel. Anderthalb Jahre lang waren seine Beine angekettet. „Angekettet wie ein Affe, fressend wie ein Hund. Dort bist du kein Mensch, du bist ein Tier.“ Seine Bewacher hatten Essen, die Geiseln bekamen kaum etwas; zeitweise nur getrocknete Datteln.10
Und doch blieb ihm etwas, das sich nicht in Ketten legen ließ. Ohel sang leise vor sich hin, bis man es ihm verbot. Als er seinen Bewachern erzählte, er spiele Klavier, wussten sie nicht, was das ist. Also spielte er auf seinem eigenen Körper, tippte die Tasten auf die Oberschenkel.11 „Ich stelle mir die Musik vor … manchmal spiele ich einfach. Stelle mir vor, wie ich auf dem Klavier spiele. Manchmal stelle ich mir vor, ich stehe auf einer Bühne“.12 Seinen Mitgefangenen brachte er das „Lied ohne Namen“ bei, jenes letzte Stück vom Abend vor dem Festival.13
Die alte Frage des 137. Psalms, wie man das Lied des Herrn in fremdem Land singen solle, drängt sich auf. Alon Ohel gab darauf keine theologische Antwort, sondern eine praktische: leise, im Kopf, auf der Haut.
Ein Vater in der Dunkelheit
Unten in den Tunneln traf er Eli Scharabi, damals 53 Jahre alt, aus dem Kibbuz Be’eri. Zwischen beiden entstand, was Ohel eine Vater-Sohn-Beziehung nennt. Als er einmal vor Hunger die Beherrschung verlor und mit der Faust gegen die Wand schlug, nahm Scharabi ihn in den Arm. „Es war die Umarmung eines Vaters. Er hat mich gehalten und aufgerichtet. Er hat sich selbst und mich auf seinem Rücken getragen.“ Nach einem Luftangriff, der ihren Tunnel traf, waren sie zeitweise aneinandergekettet; sie gingen sogar gemeinsam zur Toilette.
Scharabi sprach in der Dunkelheit oft von seinen beiden Töchtern. Keiner der beiden wusste, dass sie und ihre Mutter am 7. Oktober ermordet worden waren. Als Ohel im Interview daran erinnerte, brach er in Tränen aus.
Zu den Mitgefangenen gehörten zeitweise auch Hersh Goldberg-Polin, Almog Sarusiund Uri Danino. Eines Tages wurden Ohel und Scharabi plötzlich von ihnen getrennt. Ohel glaubte, die drei kämen frei. Tatsächlich wurden sie in einen anderen Tunnel gebracht und im August 2024 von ihren Bewachern erschossen.

Allein mit Dumbledore
Im Februar 2025 kamen Eli Scharabi, Or Levy und Elija Cohen im Rahmen des zweiten Geiselabkommens frei. Alon Ohel blieb zurück, allein. Scharabi versprach ihm, es sei nur eine Frage von Tagen. Doch das Abkommen zerbrach nach seiner ersten Phase, im März nahm Israel den Krieg wieder auf. Immerhin brachten die Freigelassenen das erste Lebenszeichen nach Hause: einen Geburtstagsgruß für seine Schwester, nach rund 500 Tagen ohne jede Nachricht. Seine Mutter erfuhr nun auch, wie es um ihn stand: kaum eine Pita am Tag, Ketten seit mehr als einem Jahr, Splitter im Auge, durch das er nur noch Schatten sah.
In der Einsamkeit kamen neue Demütigungen hinzu. Ein Bewacher bestand darauf, ihn beim seltenen Duschen selbst zu waschen, auch im Intimbereich. Und es gab ein Buch: den sechsten Band von Harry Potter, den er unzählige Male las. Nur das Ende, an dem Albus Dumbledore stirbt, las er ein einziges Mal. „Ich habe gesagt: Ich kann nicht. Das ist nicht mein Ende.“
Einmal zeigten ihm die Entführer auf einem Laptop ein Foto vom Platz der Geiseln in Tel Aviv: ein Fremder mit einem Plakat, darauf Alons Gesicht, im Hintergrund ein Klavier. „Wenn Menschen, die ich nicht einmal kenne, auf die Straße gehen und meine Schilder hochhalten, wer bin ich, auch nur einen Moment ans Aufgeben zu denken?“
Die gelben Klaviere
Das Klavier auf jenem Foto war kein Zufall. Während Alon unter der Erde Tasten auf seine Haut tippte, ließen seine Eltern Idit und Kobi Ohel gelbe Klaviere aufstellen, in Israel und in aller Welt, versehen mit einem Satz, der zugleich Wortspiel und Gebet war: „Alon, you are not alone“.14 Musiker setzten sich an diese Instrumente und spielten für einen Abwesenden.15 2024 organisierte Idit Ohel sogar ein Konzert für ihren Sohn an der Grenze zum Gazastreifen.16
Im Spätsommer 2025 wurde Ohel nach Gaza-Stadt verlegt, als menschlicher Schutzschild gegen die israelische Offensive. Dort traf er Guy Gilboa-Dalal, mit dem er bei der Marine gedient hatte; die Hamas veröffentlichte Aufnahmen dieser Begegnung, das erste Video, das Alon lebend zeigte. Man ließ die beiden Briefe an ihre Familien schreiben. „Ihr seid die Kraft, die mir hilft, hier weiter zu überleben, in diesem Albtraum, der nicht endet. Ich denke an unsere gemeinsamen Urlaube und an die, die noch kommen.“
Im Oktober stand dann Izz al-Din al-Haddad, der militärische Führer der Hamas in Gaza, persönlich im Tunnel und eröffnete ihm, es gebe ein Abkommen. Danach ging alles sehr schnell: das Rote Kreuz, die ersten israelischen Soldaten, die Eltern. Ohel nahm sich zusammen, um ihnen zu zeigen, dass er bei Verstand und gesund sei. Zusammengebrochen ist er erst später, als er erfuhr, was mit Eli Scharabis Familie geschehen war. Er war einer der letzten zwanzig lebenden Geiseln, die an diesem Tag zurückkehrten; Israel ließ im Gegenzug rund 2000 palästinensische Häftlinge frei.
Unter dem Himmel
Schon wenige Tage nach der Rückkehr postete die Familie ein Foto: Alon im Rabin-Krankenhaus, an einem Klavier.17 Doch der Moment, an dem ganz Israel teilnahm, kam etwa zwei Wochen nach seiner Freilassung, und zwar in der berühmtesten Satiresendung Israels.
„Erez Nehederet“, „Ein wunderbares Land“, ist eigentlich eine Sendung, die über Politiker spottet.18 Monate zuvor hatte dort der Sänger Hanan Ben Ari an einem gelb gestrichenen Klavier das Lied „Schemesch“, „Sonne“, gesungen, als Gebet für den Gefangenen.19 Ende Oktober 2025 nun stellte Moderator Eyal Kizis den Gast mit den Worten vor: „Heute Abend schließen wir den Kreis mit Alon, der zurückgekehrt ist, um hier bei uns zu sein, unter dem Himmel.“ 20 Der Mitschnitt, den Keshet 12 auf YouTube veröffentlicht hat, trägt dies als Titel: „Wir schließen den Kreis mit Alon Ohel – ‚Unter dem Himmel‘“.
Man sieht in diesen knapp vier Minuten einen jungen Mann mit einer Binde über dem verletzten rechten Auge, der lächelt, während seine Hände über die Tasten laufen. Neben ihm sitzt sein Bruder Ronen mit der Gitarre. Auf dem Klavier steht dasselbe Schild, das Monate zuvor für den Abwesenden dort stand. Das Ensemble singt „Tachat haSchamajim“, ein Klassiker von David Broza, die Worte stammen von Meir Ariel.21 Gegen Ende treten die Mutter Idit, der Vater Kobi und die Schwester Inbar hinzu.
Unter dem Himmel
Wir sind hierhergekommen
Unter dem Himmel
Wir beide
Wie ein Augenpaar
Wir haben Zeit
Unter diesem Himmel
Einstweilen
Sind wir noch hier
Wir sind eins
Wir sind eins
Wir sind eins
Eins, perfekt und rund
Perfekt und stark
Wir sind hierhergekommen
Unter dem Himmel
Wir beide
Wie ein Augenpaar
Wir haben Zeit
Unter diesem Himmel
Einstweilen
Sind wir noch hier
Und trotz der Trauer
Und trotz des Schmerzes
Und trotz des Kummers
Liebe ich
Und liebe
Und liebe...Der Schauspieler Lior Ashkenazi, der sich zwei Jahre lang für die Geiseln eingesetzt hatte, flüsterte Alons Vater während des Liedes ins Ohr: „Begreifst du, dass das gerade passiert? Das hätte nicht sein sollen.“ 22
Wenige Wochen später setzte Alon sich auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv an das gelbe Klavier, das seinen Namen trug, abwechselnd mit seinen Eltern und seinem Bruder, umringt von Hunderten. Er spielte das „Lied ohne Namen“. An seinem 25. Geburtstag stand er im Hangar 11 in Tel Aviv auf der Bühne, neben Idan Amedi, Shlomi Shaban, Marina Maximilian und anderen, die ohne Gage gekommen waren.23 „Vor Publikum zu spielen ist ein Moment des Glücks für mich und Teil meiner Rehabilitation“, sagte er bei einem anderen Auftritt. „Heute Abend zu spielen ist mein Sieg.“24
Ein Jahr danach
Am 13. Oktober 2026, auf den Tag genau ein Jahr nach der Freilassung, saßen Alon Ohel und Eli Scharabi gemeinsam auf einer Bühne der Ynet-Konferenz „Menschen der Nation“. Was er am meisten genieße, nach allem, was ihm genommen war? „Den Kühlschrank aufzumachen.“ Wann er zuletzt glücklich gewesen sei? „Die ganze Zeit, die ganze Zeit.“ Er ist mit Goni zusammen, einer Freundin aus Kindertagen, die für seine Freilassung gekämpft hat, und schätzt an ihr, dass sie ihn von früher kennt, „nicht nur das, was die Leute über dich gesagt haben“.25
Scharabi, der von sich sagt, er habe sich nicht verändert, weint nach eigener Auskunft jeden Tag, „um die Tage in Gefangenschaft nachzuholen, an denen ich nicht geweint habe“. Ohel widerspricht ihm sanft: „Ich wurde mit 22 entführt. Heute bin ich 25. Ohne Zweifel hat mich geprägt, was ich durchgemacht habe.“ Und: „Wir leben. Wir haben die Chance bekommen, noch einmal zu leben.“ Es ist der Satz eines Menschen, der einmal gesagt hat, zwei Jahre lang sei er ein Toter gewesen, und zugleich darauf besteht: „Ich bin kein Opfer.“
Was in Israel nachwirkt
Alon Ohels Geschichte lässt sich als Geschichte von Resilienz erzählen, und sie ist es auch. Aber sie ist unvollständig ohne den Blick auf ein Land, für das die Geiselnahme weit mehr war als ein Kapitel des Krieges.
Die Gefangenschaft endet nicht mit der Freilassung. Israel hat für die Rückkehrer ein umfangreiches System geschaffen, mit Krankenhäusern, Psychologen, Sozialarbeitern und Zuschüssen; jede zurückgekehrte Geisel hat eine koordinierende Pflegekraft, die Nationalversicherung erkennt automatisch eine Behinderung an. Doch eine Recherche von Kanal 12, über die die Jerusalem Post diese Woche berichtete, zeigt ehemalige Geiseln mit schlaflosen Nächten, Schwierigkeiten bei der Arbeit, Wohnungsproblemen und Familien, die auch Monate oder Jahre nach der Rückkehr kaum funktionieren.26 Evyatar David, der mit Ohel am selben Tag freikam, spricht offen über posttraumatische Belastungsstörung, Flashbacks und Albträume; seine Freunde sammeln per Crowdfunding Geld für seine Rehabilitation, weil der Staat zu wenig leiste.27 Guy Gilboa-Dalal sprach im öffentlichen Sender Kan über den sexuellen Missbrauch in der Gefangenschaft und die Albträume danach: In Gaza habe er geglaubt, nach der Rückkehr werde alles im Grunde perfekt sein.28
Das Trauma reicht weit über die Familien hinaus. Eine Studie des Forschungsinstituts von Clalit und des Myers-JDC-Brookdale-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte Israeli seit dem 7. Oktober nicht wieder zu normaler Funktionsfähigkeit zurückgefunden hat; mehr als sechzig Prozent derer, die kurz nach dem Angriff deutliche Symptome zeigten, leiden weiterhin darunter, am stärksten junge Frauen.29 Die Konrad-Adenauer-Stiftung spricht von zwei Traumata, die Israel erlitten habe: dem Massaker selbst und der Geiselnahme, die sich zu einer kollektiven Last der ganzen Gesellschaft auswuchs.30
Die Geiselfrage berührte einen Kern jüdischer und israelischer Selbstverständigung. Pidjon Schwujim, die talmudische Pflicht, Gefangene mit allen Mitteln auszulösen, ist in Israel zur gesellschaftlichen Norm geworden. Gerade deshalb spaltete sie. Das Forum der Geiselfamilien drängte auf Verhandlungen, das Tikwa-Forum, ebenfalls von Angehörigen gegründet, auf maximalen militärischen Druck. Die anfängliche Geschlossenheit nach dem 7. Oktober hielt nicht lange; inzwischen wird darüber gestritten, ob die Empfehlungen der Schamgar-Kommission, etwa ein Höchstverhältnis von eins zu drei beim Gefangenenaustausch, gesetzlich festgeschrieben werden sollen.
Der Platz der Geiseln bleibt, auch ohne Geiseln. Am 26. Januar 2026 wurden die sterblichen Überreste von Ran Gwili, einem Polizisten, der am 7. Oktober im Kampf gefallen war, nach Israel zurückgebracht, nach 843 Tagen; er war der letzte der 251 Verschleppten.31 Die Uhr auf dem Platz in Tel Aviv wurde angehalten, im August benannte die Stadt ihn offiziell in „Platz der Geiseln“ um. Ein Ort der Erinnerung ist er geworden, aber kein befriedeter: Im Juli versammelten sich dort Demonstranten, um eine staatliche Untersuchung des Versagens am 7. Oktober zu fordern, die Ministerpräsident Netanjahu entschieden ablehnt.32 Und vor wenigen Tagen kamen ehemalige Geiseln, Angehörige getöteter Geiseln und Hinterbliebene auf demselben Platz zu einem Abend des Dankes und der Selichot-Gebete zusammen.33
Der Schmerz sucht nach Formen. Eli Scharabi baut mit der Organisation Schalwa in Aschkelon ein Familien- und Traumazentrum zum Gedenken an seine Frau und seine Töchter.34 Andere schreiben Bücher, halten Vorträge, kehren zur Musik zurück.35 Und Alon Ohel spielt, in Eilat, in Tel Aviv, im Sommer sogar auf einem amerikanischen Flugzeugträger. Auf der Bühne der Ynet-Konferenz sagte er seinen Landsleuten zum Abschied: „Nehmt eure Familie nicht als selbstverständlich hin. Umarmt sie jeden Tag.“
Coda
Israel hat zwei Jahre lang Klaviere aufgestellt für einen Menschen, der nicht da war. Das war, wenn man so will, eine Form des Gebets: ein Instrument, offen, wartend, wie das Klavier im Haus in Lawon. Dass Alon Ohel zurückgekehrt ist und wieder spielt, beantwortet dieses Gebet. Es beantwortet nicht die Fragen, die bleiben: nach den Toten aus den Tunneln, nach der Verantwortung für das Versagen, nach dem Preis, den eine Gesellschaft für die Ihren zu zahlen bereit ist, nach der Kraft, die es braucht, um nach dem Ende einer Katastrophe weiterzuleben.
Das ist wohl die Wahrheit hinter jener Zeile von Meir Ariel, die ein junger Mann mit verbundenem Auge vor einem Jahr in einem Fernsehstudio gespielt hat. Wir haben Zeit, unter diesem Himmel. Einstweilen sind wir noch hier.
Reuters, Pesha Magid: For freed Israeli hostage musician, a piano waits to be played again, 13.10.2025.
Times of Israel: „No matter what, I choose life“ – Alon Ohel shares how he survived 2 years in Gaza captivity, 02.12.2025.
Atlanta Jewish Times: Levi Records Haifa Symphony Performance for Hostage.
Times of Israel, Liveblog: „You’re an animal“ – Ex-hostage Alon Ohel says he was chained for year and a half, starved.
Australian Jewish News: Former Israeli hostage Alon Ohel to play in Aus.
Times of Israel Blogs, Shoshana Tita: The triumph of music in captivity.
All Israel News: Captives turned creators.
Times of Israel: At Hostages Square, Alon Ohel plays piano named for him.
Translating Israel: The Smile We Waited Two Years to See.
Jerusalem Post: Freed hostage Alon Ohel plays piano on Eretz Nehederet.
Israel Hayom: אלון אהל סוגר מעגל – על במה אחת עם מיטב אמני ישראל.
Konrad-Adenauer-Stiftung, Michael Rimmel und Pascal Franz: Israel’s scars after October 7 – The return of the hostages and the national trauma, 27.01.2026.
Israel National News: One year after return – Bar Kupershtein leads thanksgiving and Selichot at Hostages Square.






