0:00
/
Transkript

Schabbat Chukkat & Balak || Der Fels, der Stab und ein hartes Urteil

Miriams Tod, eine versiegende Quelle und unbedachte Worte am Haderwasser: ein Gespräch über Zorn, Vertrauen und die tröstliche Fehlbarkeit großer Vorbilder.

In dieser Woche ist die Aufnahme eines Wortes zum Schabbat nicht möglich. Daher erscheint heute die Aufzeichnung vom 3. Juli 2020. Die Erklärung von Rabbiner Alexander Nachama erschien bislang nicht auf dieser Website.


Im Doppelabschnitt Chukkat-Balak (4. Mose 19,1–25,9) widmet sich Rabbiner Alexander Nachama der bewegenden Frage, warum Mosche und Aaron das verheißene Land nicht betreten dürfen. Den Auftakt bildet das Gesetz der roten Kuh, deren Asche zur Reinigung dient und deren Fehlen heute als Hindernis für einen neuen Tempel gilt.

Im Zentrum steht jedoch Kapitel 20. Mit dem Tod Miriams beginnt der Abschnitt traurig. Der Raschbam deutet die ausdrückliche Erwähnung ihres Begräbnisses: Miriam ist die Erste, die wieder ein reguläres Begräbnis erhält und nicht mehr am Tischa BeAw stirbt. Damit ist die erste, aus Ägypten ausgezogene Generation vollständig verstorben — vierzig Jahre sind vergangen, eine neue Generation tritt an.

Doch die Hoffnung trügt: Es fehlt an Wasser, und einem Midrasch zufolge versiegt mit Miriams Tod die mitwandernde Quelle. Das Volk hadert mit den alten Vorwürfen. Gott gebietet Mosche, mit dem Stab zum Felsen zu reden, damit dieser Wasser gebe. Stattdessen schilt Mosche das Volk als ungehorsam und schlägt den Felsen zweimal. Wasser fließt, doch das Urteil folgt: Beide dürfen das Land nicht betreten, weil sie Gott nicht vertraut haben.

Nachama bietet mehrere Deutungen an: Mosche handelt aus Zorn und Enttäuschung über die unveränderte neue Generation; er greift aus Unsicherheit zur erprobten Methode des Schlagens (Raschi); oder er schützt Israel sogar bewusst vor einer Anklage und opfert dabei seine eigene Zukunft. Aaron wird mitbestraft, weil er nicht einschreitet.

Die tröstliche Erkenntnis: Selbst Mosche und Aaron sind fehlbare Menschen, die nicht alle Ziele erreichen.

Ich ergänze, dass schon Psalm 106 die unbedachten Worte am Haderwasser benennt. Ich weise auf das Grab am Wadi Zin und die Quelle Ein Avdat hin und ziehe eine christliche Parallele: Der aus dem grünen Holz des Kreuzes Hervorgegangene kann selbst als eine mitwandernde Quelle lebendigen Wassers gesehen werden.

Teilen

Diskussion über dieses Video

Avatar von User

Sind Sie bereit für mehr?