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Schabbat Dewarim || Mose blickt zurück – und wir mit ihm

Ein alter Mann, eine letzte Rede – und die unbequeme Frage, was von einem Leben bleibt. Walter Rothschild über Vergänglichkeit, Nachfolge und Umkehr.

Viele Zuschauer haben es bedauert, dass die wöchentliche Auslegung der Tora zum Wochenabschnitt nicht fortgesetzt wird. Daher habe ich mich entschlossen, bis neue Formate gefunden sind und bis zum Ende des Zyklus der Lesungen im jüdischen Jahr 5786 weiterhin ein Wort zum Schabbat anzubieten.

Dazu gehe ich zurück zu den Anfängen meiner Gespräche mit Rabbinern und stelle dir Aufnahmen bereit, die auf dem Portal von ahavta - Begegnungen noch nicht veröffentlicht wurden.


Rabbiner Dr. Walter Rothschild eröffnete am 24. Juli 2000 mit dem Wochenabschnitt Dewarim (Kapitel 1–3,22) das fünfte Buch Mose – zugleich der Schabbat Chason, dritter der drei mahnenden Schabbatot vor dem 9. Av, dem sieben Schabbatot des Trostes folgen. Er nennt Dewarim das Buch eines alten Mannes: Mose blickt zurück, mahnt eine Generation, die immer wieder ungehorsam war und dafür vierzig Jahre in der Wüste büßt, bis sie ausstirbt. Nur Mose, Josua und Kaleb überleben als Augenzeugen. Rothschild zieht die Parallele zu den letzten Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs, deren Stimme bald verstummt.

Mose steht am Jordan, darf das Land nur schauen, nicht betreten, und bereitet seine Nachfolge vor. Rothschild deutet dies persönlich: Wie Mose fragt jeder Verantwortliche am Lebensabend, was er erreicht und wen er ausgebildet hat. Zentral ist für ihn die Aufgabe, Kontinuität zu stiften und die junge, freigeborene Generation in die Kette der Tradition einzubinden.

In Kapitel 2 zeigt Mose, dass Gott den Völkern – Esau, Moab, Ammon – ihr Land zuweist und die Israeliten manche Gebiete achten müssen. Walter Rothschild verallgemeinert: Alle Geschichte besteht aus Völkerwanderungen; Grenzen und Nationen wandeln sich ständig, auch im Nahen Osten. Kein Volk bleibt ewig am selben Ort.

Daraus folgt die Kehrseite: Das Land ist kein Besitz auf Dauer, sondern an ethisches Verhalten gebunden. Wer Gottes Willen verlässt, verliert es – Exil –, bis Umkehr (Teschuwa) die Rückkehr ermöglicht. Rothschild verweist auf Jesaja, dessen prophetische Selbstkritik Warnung und Trost verbindet, und betont: Nicht Prunk des Tempels zählt, sondern Ethik. Provokant lehnt er den Wiederaufbau des Tempels ebenso wie große Synagogenbauten ab.

Für die heutige Israel-Debatte sieht er beide Seiten – Landnahme im Gottesauftrag und Nächstenliebe zum Nachbarn – als biblisch begründet. Seine bleibende Botschaft: Keiner lebt ewig; die wichtigste Aufgabe ist, würdig Nachfolge zu bereiten und abzutreten.

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