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Transkript

Schabbat Korach || Wenn Streit nur der Macht dient

Warum verschlingt die Erde einen Mann, der nur recht behalten will? Daniel Katz zeigt, was einen Streit wertvoll macht – und was ihn ins Leere führt.

Im Wochenabschnitt Korach (4. Mose 16–18) zettelt Korach, ein Mitglied des Stammes Levi, einen Aufstand gegen die von Gott berufene Führung des Mose an. Rabbiner Dr. Daniel Katz betont, dass Korach kein sachliches Anliegen vorbringt: Er hat keine Vorschläge und keine Ideen, sondern will allein selbst an die Spitze. Anders als Jitro, der Mose im 2. Buch Mose hilfreiche Verbesserungen empfiehlt, geht es Korach nicht um die Sache, sondern um die eigene Macht. Aus Eifersucht distanziert er sich von Mose – und damit zugleich von Gott. Am Ende öffnet sich die Erde und verschlingt Korach und seine Rotte.

Rabbiner Katz deutet den Abschnitt mit zwei Texten aus den Sprüchen der Väter (Pirké Awot). Der erste unterscheidet zwei Arten von Streit: Ein Meinungsstreit „um des Himmels willen“ (le-schem Schamajim) hat Bestand, ein Streit ohne dieses Ziel nicht. Vorbild ist der Disput zwischen Hillel und Schammai – zwei Gelehrte, die unterschiedlich denken, aber gemeinsam die Wahrheit suchen und einander achten. Die Tradition folgt fast immer Hillel, überliefert aber stets auch Schammais Meinung. Korach dagegen steht für den leeren, rein persönlichen Streit, der nur dem eigenen Geltungsdrang dient. Parallel dazu steht die Lehre über die Liebe: Eine Liebe, die an eine Bedingung geknüpft ist (Amnon und Tamar), vergeht; eine bedingungslose Liebe (David und Jonathan) bleibt ewig.

Ein zweiter Text (Pirké Awot 5,9) nennt zehn Dinge, die Gott in der Dämmerung vor dem ersten Schabbat schuf – darunter die Öffnung der Erde, die Korach verschlingen wird. Schon in der Schöpfungswoche bereitet Gott also dieses außergewöhnliche Ereignis vor.

Im Gespräch frage ich, wo heute ein Streit „um der himmlischen Wahrheit willen“ zu finden sei. Katz verweist auf rabbinische Ausschüsse, die Minderheitsmeinungen mitveröffentlichen, räumt aber ein, dass Spaltung und mangelnder Respekt – im Judentum wie in der Gesellschaft – heute oft den Korach-Weg begünstigen. Sein Plädoyer: bedingungslose Liebe und ein Streit mit Substanz statt leerer Selbstdarstellung.

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