Joram Oppenheimer schildert in diesem am 18. Juli 2026 aufgezeichneten Gespräch die innenpolitische Lage in Israel nach dem Gesetzgebungsmarathon der Knesset vor der Sommerpause. Er bezeichnet sich als klaren Gegner der gegenwärtigen Regierung: Netanjahus einziges Interesse bestehe darin, an der Macht zu bleiben – notfalls auf Kosten des Staates. Um seine Koalition zu halten, sei er auf den ultraorthodoxen (charedischen) Block angewiesen, weshalb die neuen Gesetze vor allem dessen Interessen dienten.
Oppenheimer nennt Beispiele: Universitäten dürfen künftig Männer und Frauen in allen akademischen Graden getrennt unterrichten, und in streng religiösen Städten wie Bnei Brak existieren getrennte Gehwege. Zugleich flössen erhebliche Mengen an Steuergeldern an die orthodoxen Strukturen. Als Kern des Konflikts sieht er die Wehrdienstfrage: Die meisten Charedim verweigerten den Militärdienst und nähmen auch Sonderregelungen der Zahal kaum an. Auch deswegen müssten säkulare Israelis – wie sein eigener Sohn – immer mehr Reservedienst leisten, bei Kriegen an mehreren Fronten (Iran, Libanon, Gaza, Huthis, Syrien).
Besonders kritisch beurteilt er die Schwächung der Justiz: Die nur aufgeschobene Trennung der Ämter von Generalstaatsanwalt und Rechtsberater der Regierung sowie die Missachtung des Obersten Gerichtshofs führten Israel nahe an Chaos und Anarchie. Eine Justizreform hält er grundsätzlich für nötig, die geplante gehe jedoch viel zu weit und sei praktisch undemokratisch. Auch ein neues Gesetz, das regierungsnahe Medien finanziell bevorzugt, und die Gleichstellung von Tora-Studenten mit Soldaten bei den Bezügen wertet er als zynische Wahlkampfpolitik.
Seine Hoffnung ruht auf den für Ende Oktober geplanten Wahlen, deren Stattfinden er noch nicht als gesichert ansieht. Die Chancen der Opposition schätzt er auf 50:50; als stärkste Figur gilt ihm Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot mit seiner neuen Partei Jaschar. Ausdrücklich plädiert Oppenheimer dafür, arabische Parteien einzubinden und die arabische Bevölkerung – etwa über einen Zivildienst – stärker in die Gesellschaft zu integrieren.






