Rabbiner Dr. Daniel Katz ordnet das Wochenfest Schawuot in den jüdischen Festkalender ein. Er erläutert, dass das Judentum sechs Hauptfeste kennt: den wöchentlichen Schabbat als Erinnerung an die Schöpfung, die beiden hohen Herbstfeiertage Rosch haSchana und Jom Kippur sowie die drei Pilgerfeste – die Schalosch Regalim –, zu denen man im Altertum nach Möglichkeit zu Fuß nach Jerusalem zog: Pessach und Schawuot im Frühjahr und Sukkot im Herbst.
Schawuot bedeutet auf Hebräisch schlicht „Wochen”. Das Fest schließt das siebenwöchige Zählen der Omertage ab, das am zweiten Pessachtag beginnt: siebenmal sieben Tage, also fünfzig. Anders als Pessach oder Sukkot wird Schawuot in der Tora wenig konkret beschrieben. Es ist Erntefest des späten Frühlings – und vor allem das Fest der Tora-Gabe am Berg Sinai. Diese Übergabe ist keineswegs selbstverständlich gewesen: Die aus Ägypten befreiten Sklaven haben nicht erwartet, dass Gott ihnen die Tora schenkt. Gelesen werden die „Zehn Worte” – im Judentum nicht „Gebote”, denn die Tora kennt 613 Mitzwot, weil das Leben sich nicht in zehn Regeln fassen lässt.
Zur Liturgie gehören die Megillat Rut, eine der fünf biblischen Festrollen, deren Erntegeschichte in diese Jahreszeit passt und über Boas zu König David führt, sowie die aramäische Hymne „Akdamut Milin” mit ihren neunzig Versen und der Vision eines messianischen Festmahls der Gerechten. Kulinarisch prägt das Bild vom Land, „in dem Milch und Honig fließen”, die Feiertafel: Milchspeisen und vielfältige Käsekuchen werden traditionell gegessen, da Milchiges und Fleischiges nach biblischer Diät getrennt bleiben.
In diesem Jahr fällt der zweite Tag Schawuot auf den Schabbat, sodass die wöchentliche Tora-Lesung unterbrochen wird und Sonderlesungen Vorrang haben. Im abschließenden Gespräch zieht Ricklef Münnich eine Parallele zum christlichen Pfingstfest: Apostelgeschichte 2 führt ebenso wie Schawuot zur Tora zurück – eine verbindende Erinnerung an die Gabe vom Sinai.










