Im „Wort zum Schabbat“ von ahavta – Begegnungen erläutert Rabbiner Dr. Daniel Katz den Wochenabschnitt Schemini (3. Mose 9–11). Aus technischen Gründen ist er heute zwar gut zu hören, aber nicht zu sehen.
Daniel erläutert, dass die Parascha Schemini lediglich drei Kapitel umfasst – Levitikus 9, 10 und 11 –, in denen dennoch eine bemerkenswerte Dramaturgie steckt. Das neunte Kapitel ist technisch geprägt: Es beschreibt ausführlich die Tieropfer, die ausschließlich in den Aufgabenbereich der Kohanim, der Priester, fallen. Katz betont dabei, dass jüdische Priester keineswegs mit ihren christlichen Amtskollegen verwechselt werden dürfen – ihre Funktion ist biblisch-historischer Natur und ihnen wird im heutigen Gottesdienst allenfalls eine Ehrerbietung entgegengebracht. Beim korrekten Vollzug der Opferrituale spielen zwei Grundsätze eine zentrale Rolle: die exakte Einhaltung der Riten und die Vermeidung unnötigen Leidens der Tiere.
Das zehnte Kapitel bringt dann den dramatischen Bruch: Zwei der vier Söhne Aarons, Nadab und Abihu, sterben mitten im Gottesdienst. Sie haben ein „fremdes Feuer“ dargebracht – was genau damit gemeint ist, lässt der Text bewusst offen. Katz beschreibt dies als „wunderschönes Geschenk“ für die Rabbinen, da der Interpretationsspielraum groß bleibt. Mögliche Deutungen reichen von Respektlosigkeit gegenüber Aaron und Mose, über das Erscheinen im falschen Gewand, bis hin zum Auftreten in betrunkenem Zustand. Auch eine übertriebene, zu enthusiastische Gottesannäherung wird erwogen. Aaron selbst schweigt angesichts des Verlustes zweier Söhne – ein Zeugnis dafür, dass das Urteil Gottes letztlich nur anzunehmen ist.
Das elfte Kapitel widmet sich der Kaschrut, den Speisegesetzen. Landtiere müssen gespaltene Klauen haben und Wiederkäuer sein. Als Beispiele nennt die Tora Kamel, Hase und Schwein: Die ersten beiden sind zwar Wiederkäuer, haben aber keine gespaltenen Klauen; das Schwein hingegen hat gespaltene Klauen, ist aber kein Wiederkäuer. Katz unterstreicht, dass Schweine also nicht „an sich“ verboten sind, sondern weil ihnen eines der zwei nötigen Merkmale fehlt – genauso wie Kamel und Hase. Bei Vögeln existiert kein erkennbares äußerliches Merkmal; man muss einfach wissen, welche Arten erlaubt sind. Fische müssen Flossen und Schuppen haben. Bemerkenswert findet Katz auch den Hinweis auf einige essbare Heuschreckenarten – für Europäer heute fremd, in der Wüstenzeit aber möglicherweise ganz gewöhnlich.
Abschließend ordnet Katz die Parascha in den liturgischen Kalender ein: Die Schemini-Lesung fällt unmittelbar nach Pessach in die Omerzählzeit, die sieben Wochen zwischen Pessach und Schawuot umfasst – die einzige Zeit im Jahr, die täglich und mit Nennung ihrer Zahl gezählt wird, um jeden einzelnen Tag bewusst wahrzunehmen.











