0:00
/
0:00
Transkript

Schabbat Chol HaMoed || Zeig mir dein Angesicht!

Mose fordert mehr als einen Engel – er verlangt Gottes Gegenwart. Walter Rothschild entfaltet, was das für uns heute bedeutet.

Rabbiner Dr. Walter Rothschild erläutert im Gespräch mit Ricklef Münnich, dass Schabbat Chol HaMoed – der Schabbat, der in die Zwischenzeit der Pesach-Feiertage fällt – eine besondere Toralesung vorsieht, die nicht dem regulären Wochenabschnitt folgt. Gelesen wird aus dem zweiten Buch Mose, Kapitel 33,12 bis 34,26.

Die Vorgeschichte dieser Lesung ist die Katastrophe des Goldenen Kalbes: Das Volk Israel hatte in Abwesenheit von Mosche ein Kalb als Gottheit verehrt – in Anlehnung an ägyptische Götterbilder, die es kannte. Nach einem blutigen Konflikt innerhalb des Volkes und tiefer Trauer sucht Mosche eine zweite Chance: Er steigt erneut zum Gott hinauf, um Fürbitte für sein Volk zu halten und Vergebung zu erwirken. Dabei geht er so weit, sich selbst aus Gottes Buch streichen zu lassen, falls Gott nicht vergibt.

In Kapitel 33 beginnt die eigentliche Lesung: Mosche fordert von Gott nicht nur einen Engel als Begleitung, sondern Gottes persönliche Gegenwart. „Nur mit dir gehen wir weiter“ – das ist Mosches Haltung. Er handelt mit Gott wie ein Freund mit einem Freund, und Gott gibt nach: Er stimmt zu, selbst mitzugehen, gewährt Mosche aber nur einen Blick von hinten auf seine Herrlichkeit, denn „kein Mensch kann mein Angesicht sehen und am Leben bleiben.“ Rothschild betont, wie faszinierend dieser Dialog ist – ein Mensch, der von Gott nicht nur Trost, sondern einen Beweis seiner Anwesenheit verlangt.

In Kapitel 34 erneuert Gott den Bund: Mosche haut zwei neue Steintafeln aus, steigt den Berg hinauf, und Gott verkündet seine Wesensmerkmale – barmherzig, gnädig, langmütig, reich an Treue –, die bis heute in der Liturgie des Rosch Haschana und Jom Kippur zentral sind.

Die Haftara aus Ezechiel 37 – das „Tal der trockenen Gebeine” – versteht Rothschild als eine prophetische Botschaft der Hoffnung. Ezechiel schaut in einer Vision ein Tal voller verdorrter Knochen; auf Gottes Geheiß prophezeit er ihnen, woraufhin sie sich zusammenfügen, mit Fleisch und Haut bedecken und schließlich durch den Geist (ruach) zum Leben erwachen. Historisch bezieht sich Ezechiel auf das babylonische Exil und die Wiedervereinigung der getrennten Königreiche Juda und Israel. Für heute liest Rothschild darin ein Echo der gespaltenen israelischen Gesellschaft: Die zerstrittenen politischen und religiösen Lager kämpfen dennoch gemeinsam. Die Botschaft für Pesach und Ostern gleichermaßen lautet: Hoffnung ist möglich – auch aus den trockensten Knochen wächst neues Leben.

Danke, dass du ahavta - Begegnungen liest. Dieser Beitrag ist öffentlich. Überlege, ob du ihn teilen möchtest.

Teilen

Diskussion über dieses Video

Avatar von User

Sind Sie bereit für mehr?