0:00
/
0:00
Transkript

Schabbat Zaw || Ägypten aus den Menschen ziehen

„Man kann die Menschen aus Ägypten ziehen – aber Ägypten aus den Menschen?“ Kantor Amnon Seelig erklärt, was das Blutverbot mit Götzenglauben und echter Veränderung zu tun hat.

Im „Wort zum Schabbat“ von ahavta – Begegnungen erläutert Kantor Amnon Seelig aus Mannheim den Wochenabschnitt Zaw (3. Mose 6–8) anlässlich des Schabbat HaGadol, des Schabbats unmittelbar vor Pessach. Seelig erklärt zunächst, dass dieser besondere Schabbat seinen Namen möglicherweise der Haftara verdankt, in der der Begriff „der große Tag“ vorkommt; wahrscheinlicher aber ist, dass der Name auf die alte Tradition zurückgeht, an diesem Schabbat ausnahmsweise eine rabbinische Predigt zu halten – ein Brauch, der erst seit dem 19. Jahrhundert wirklich verbreitet ist.​

Als musikalische Besonderheit weist Seelig auf den seltenen Toraakzent Schalschelet hin, der in der gesamten Tora nur viermal vorkommt und in dieser Parascha auf dem Wort „We-ischat“ – „und er schächtete“ – liegt. Mit dieser Schächtung übergibt Mose symbolisch das Priestertum an Aaron und seine Söhne (Kapitel 8).​


Du kannst den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und als Podcast hören:


Den inhaltlichen Schwerpunkt legt Seelig auf das in Kapitel 7, Vers 27 ausgesprochene Verbot des Blutverzehrs. Er entfaltet dazu ausführlich die Deutung des Maimonides aus dem „More Newuchim“ (Führer der Unschlüssigen): Die heidnischen Sabäer aßen Blut, weil sie glaubten, dadurch eine „Bruderschaft“ mit Geistern zu schließen, die ihnen dann in Träumen die Zukunft offenbaren würden. Maimonides erkennt darin die eigentliche Stoßrichtung des Verbots: nicht nur eine symbolische Aussage über Blut als Träger der Seele, sondern eine gezielte Umerziehung des Volkes Israel, das nach Jahrhunderten in Ägypten tief vom dortigen Götzendienst geprägt war.​

Aufschlussreich ist dabei, dass die Tora die Formulierung „vertilgt werde aus seinen Sippen“ sprachlich ausschließlich für Blutverzehr und Götzendienst verwendet – eine bewusste Gleichsetzung beider Vergehen. Zugleich kehrt die Tora die Wertung der Götzendiener um: Blut gilt nicht als unrein, sondern als reinigend – es wird über Altar und Priestergewänder gegossen. Eben deshalb darf es nicht getrunken oder gesammelt werden.​

Seeligs abschließende Botschaft lautet: Tiefe Veränderung beim Menschen gelingt nicht durch einen einzigen großen Moment – selbst der Exodus aus Ägypten reichte nicht aus, um das Volk sofort zu wandeln (es errichtete unmittelbar danach das Goldene Kalb). Wirkliche Umerziehung geschieht nur methodisch, Schritt für Schritt, mit Geduld – wie es die Tora durch ihre vielen Einzelgebote vorlebt.

ahavta - Begegnungen is a reader-supported publication. To receive new posts and support my work, consider becoming a free or paid subscriber.

Diskussion über dieses Video

Avatar von User

Sind Sie bereit für mehr?