ahavta - Begegnungen
Der Wochenabschnitt der Tora
Haasinu
0:00
-9:54

Haasinu

„Höret!“ • 5. Mose 32,1–52

Der Wochenabschnitt Haasinu

5. Mose 32,1–52

Neigt euer Ohr, Himmel, ich möchte sprechen, 
und es höre die Erde meines Mundes Reden. 
Daß wie ein Regen lockernd eindringe meine Lehre, 
riesele wie Tau meine Verheißung, 
wie Schauerstürme über die Flur, 
und wie Regengüsse auf’s Kraut. 
Denn, es ist Gottes Name, den ich verkünde, 
unserem Gott gebet die Größe! 
Der Hort, vollkommen ist sein Wirken, 
denn alle seine Wege sind Rechtswaltung; 
Ein Gott des Vertrauens und keiner Gewalt, 
gerecht und gerad ist Er. 
Ihr sittliches Gebrechen hat zu Nicht-Kindern ihm verderbt 
ein in Krümmen verharrendes, in Widerstreit sich losringendes Geschlecht. 
Fragt euch doch: Gott wollt ihr das vergelten? 
Entwelktes, mit nichten weises Volk, 
ist Er nicht dein Vater, der dich sein eigen nennt, 
hatte Er dich nicht gebildet, da er dir deine Bestimmung gab? 
Gedenket der Tage der Vorzeit, 
begreifet die Jahre der Geschlechter, 
frag deinen Vater, daß er dir erzähle, 
deine Alten, daß sie dir es deuten: 
Als der Höchste Völkern Besitz anwies, 
als er der Menschheit Söhne schied, 
bestimmte er Völkergebiete 
für noch zu zählende Söhne Jisraels. 
Denn Gottes Teil ist sein Volk, 
Jaakob das ihm zugefallene Erbe. 
Er sucht es auf in Steppenland, 
in der Öde, wo die Wüste heult; 
umgibt es, belehrt es, 
wartet sein wie des Auges Apfels. 
Wie der Adler weckt zuerst sein Rest, 
über seinen Jungen schwebt, 
dann seine Flügel breitet, nimmt es, trägt es auf seinen Schwingen: 
So will Gott es gesondert leiten, 
und neben ihm kein fremder Gott. 
Er läßt es besteigen die Höhen der Erde, 
es genoss die Früchte der Felder; 
er säugte es mit Honig aus dem Fels 
und Öl aus Gesteines Kiesel. 
Rinderrahm und Schafes Milch, 
nebst Fett der Schafe, und Basan erzeugte Widder und Böcke, 
nebst Fett von Weizennieren; 
der Beere Blut trinkst du gegorenen Wein! 
Da ward Jeschurun fett und da schlug es aus — 
so oft du fett wardst, wurdest du feist und übermannt vom Fett — 
da verließ es Gott, der es gebildet hatte, 
und betrachtete als wertlos den Hort seines Heils. 
Durch Fremde schmälern sie ihm sein Recht, 
erzürnen ihn durch Abscheulichkeiten. 
Opfern Dämonen, Ungöttern, Gottheiten, von denen sie nie etwas erfahren, 
neuerdachten, jüngst aufgekommenen, 
vor denen euren Vätern nie gegraut. 
Hat dein Hort dich erst geboren, so gibst du ihn zur Huldigung anderer auf;
vergaßest du doch Gott, indem er dich erzeugte! 
Das sah Gott und wandte sich wegwerfend ab 
vor Verdruss von seinen Söhnen und Töchtern, 
und sagte: Ich will ihnen mein Angesicht verbergen, 
will sehen, was ihr Ende sein wird. 
Denn ein Geschlecht voll Wandlungen sind sie, 
Söhne, in welchen nichts Zuverlässiges ist. 
Sie haben in mein Recht durch Ungötter eingegriffen, 
haben mich mit ihren Nichtigkeiten erzürnt: 
Ich lasse durch Unvölker in ihre Rechte eingreifen, 
durch entwelktes Volk ihnen Gram bereiten. 
Denn das Feuer war durch meinen Zorn angefacht, 
darum brannte es bis in die tiefste Gruft, 
verzehrte Land und seine Frucht 
und entflammte der Berge Gründe. 
Leid auf Leid lasse ich über sie kommen, 
verschieße meine Pfeile wider sie. 
Hungergemergelt, Glut verzehrt und bitteren Todes, 
und Tiergebiss lasse ich wider sie los, 
neben Wut der Staubesschleicher. 
Von draußen rafft das Schwert, 
von drinnen Angst, Jüngling wie Jungfrau, Säugling mit dem Greis. 
Ich spräche: In einen Winkel weise ich sie, 
lasse aus der Menschheit ihr Andenken schwinden; 
Sammelte ich damit nicht Verdruß vom Feinde, 
ihre Dränger könnten es verkennen, 
Könnten sagen: Unsere Hand ist hoch, 
nicht Gott hat alles dies bewirkt! 
Denn ein in seinen Plänen zu Grunde gehendes Volk sind auch sie, 
und Einsicht findet sich nicht bei ihnen. 
Wären sie weise, würden sie hierauf ihren Verstand wenden, 
würden auf ihr eigenes Ende schließen: 
Wie verfolgte einer tausend, 
und schlügen zwei zehntausend in die Flucht, 
wenn nicht ihr Hort sie preisgegeben, 
Gott sie ausgeliefert hätte. 
Denn nicht unserm Horte gleicht ihr Hort, 
des sind unsere Feinde selber Richter, 
Denn von Sedoms Weinstock ist ihr Weinstock 
und von Amoras Gefilden, 
ihre Beeren sind giftige Beeren, 
bewähren sich als Bitterkeit-Trauben ihnen! 
Drachenwut ist ihr Wein 
und grausames Otterngift. 
Darum liegt es geborgen bei mir, 
besiegelt in meinen Schätzen: 
Mein ist das Rächeramt und die Vergeltung, 
zur bestimmten Zeit wankt ihr Fuss. 
Denn nahe ist der Tag ihres Dunstgewölkes 
und eilt ihnen in kommenden Ereignissen herbei. 
Denn es richtet Gott einst sein Volk 
und zeigt sich in anderem Ratschluss über seine Diener. 
Wenn er sieht, daß jede Macht geschwunden 
und fort ist, was man bewahrt und verläßt. 
Dann sagt er: Wo nun ihre Götter, 
der Hort, in den sie Zuversicht gehabt. 
Die ihr Mahlopferfett sollten essen, Trinken ihren Gußopferwein; 
Laßt sie doch aufstehen und euch helfen, daß euch Beschützung werde! 
Sehet nun, daß Ich Ich bin 
und kein Gott neben mir; 
ich töte und belebe, 
ich habe verwundet, 
ich heile wieder, 
meiner Hand entreisst man nichts. 
Denn ich hebe zum Himmel hin meine Hand 
und spreche: Ich lebe ewig! 
Hätte ich den Blitz meines Schwertes geschärft, 
griffe zum Recht meine Hand, 
wendete ich Rache auf meine Feinde zurück 
und übte Vergeltung an meine Hasser: 
So müsste ich trunken machen meine Pfeile von Blut, 
und Fleisch fräße mein Schwert 
von Blut Erschlagener und Gefangener, 
von Feindes Lockenhaupt. 
Darum, Völker, machet heiter seines Volkes Los, 
denn das Blut seiner Diener rächt Er, 
und Rache wendet Er auf seine Feinde zurück, — 
und seine Menschenerde sühnt sein Volk. 

Mosche kam und sprach alle Worte dieses Gesanges zu den Ohren des Volkes, er und Hoschea, Sohn Nuns.

Als nun Mosche alle diese Worte zu ganz Jisrael zu reden vollendet hatte,

sagte er zu ihnen: Gebet euren Sinn mit Ernst allen den Worten hin, die ich heute an euch bezeuge, daß ihr auf sie eure Kinder verpflichtet, gewissenhaft alle Worte dieser Lehre zu erfüllen.

Denn es ist kein von euch leeres Wort, es ist vielmehr euer Leben, und hierdurch verlängert ihr eure Tage auf dem Boden, wohin ihr den Jarden überschreitet, ihn in Besitz zu nehmen.

An demselben Tage sprach Gott zu Mosche:

Gehe zu diesem Berge der Übergänge, zu dem Berg Nebo hinan, welcher im Lande Moab, welcher vor Jericho liegt, und siehe das Land Kenaan, welches ich Jisraels Söhnen zum Besitz gebe,

und stirb auf dem Berge, wohin du hinauf steigst, und werde zu deines Volkes Kreisen gesammelt, wie dein Bruder Aharon auf dem Berge Hor gestorben und zu seines Volkes Kreisen gesammelt worden.

Weil ihr in der Mitte der Söhne Jisraels bei den Kadesch-Haderwassern in der Wüste Zin euch an mir vergangen; weil ihr mich nicht in der Mitte der Söhne Jisraels geheiligt habt.

Denn aus der Ferne sollst du das Land sehen, dorthin nicht kommen, zu dem Lande nicht, das ich Jisraels Söhnen gebe.


Die Übersetzung des Wochenabschnitts stammt von „Der Pentateuch“, übersetzt und erläutert von Samson Raphael Hirsch. Frankfurt am Main, 1867-1878. Quelle: Sefaria.

Diskussion über diese Episode

Avatar von User

Sind Sie bereit für mehr?