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Schabbat Mattot & Massej || Der letzte Auftrag des Mose

Warum drängt Mose zum Kampf, obwohl er weiß, dass er danach sterben muss? Und was verrät das über Hass und Verantwortung bis heute? Ein dichtes Gespräch zum Ende einer langen Reihe.

Die Tora ist ein riesiges Meer. Wie lernt man es kennen – gerade als Nicht-Jude? Wie wagt man sich hinaus auf dieses Meer, um ein Stück Tora zu entdecken?

Im April 2020 haben wir damit begonnen: zunächst mit einem Rabbiner, dann kamen weitere hinzu, schließlich auch ein Kantor. Gemeinsam sind wir die Wochenabschnitte durchgegangen – jene fünf Bücher Mose, die das Volk Israel in den Synagogen im Lauf eines Jahres einmal vollständig liest. Inzwischen sind wir im siebten Jahr dieses Durchgangs angelangt.

Nun stellt sich die Frage, wie sich das Meer der Tora gemeinsam mit den kundigen Rabbinern und dem Kantor auf neue Weise erkunden lässt. Deshalb erscheint heute zum letzten Mal das „Wort zum Schabbat” in seiner bisherigen Form – es ist, wenn wir richtig gezählt haben, die 301. Folge.

Wer enttäuscht ist, dass diese Reihe endet, sei getröstet: In absehbarer Zeit, voraussichtlich Anfang September, wollen wir mit neuen Vorschlägen, neuen Formaten und neuen Wegen wieder hinaus aufs Meer der Tora fahren und die Reise fortsetzen.


Zum Abschluss des vierten Buchs Mose wählt Kantor Amnon Seelig aus dem inhaltsreichen Doppelabschnitt Mattot-Massej (4. Mose 30,2–36,13) ein dichtes Motiv: den Rachefeldzug gegen die Midianiter (Kapitel 31). Auffällig ist eine feine Spannung im Text. Gott spricht von „Rache für die Israeliten an den Midianitern“, Mose aber von der „Rache des Ewigen“. Die Weisen im Midrasch (Bereschit Rabba) und Raschi deuten dies so: Mose korrigiert die Formulierung – und behält recht. Nicht Israel wird um seiner selbst willen angefeindet, sondern wegen dessen, was es repräsentiert. Der Hass gegen die Midianiter richtet sich in Wahrheit gegen Gott.

Daraus entfaltet Seelig einen grundsätzlichen Gedanken: Judenfeindschaft ist kein rassistischer, sondern ein theologischer Hass. Die Juden werden angefeindet, weil sie die Tora und die Gebote tragen und weil sie versuchen, das Göttliche in die Welt zu bringen – ein „Licht“ für die anderen zu sein. Wer Israel angreift, greift, mit Raschis Worten, gleichsam den Heiligen an. Diese Dynamik reicht von Amalek bis in die Gegenwart, in der Juden wechselweise als Kapitalisten, Kommunisten, Kolonialisten oder Unterdrücker beschuldigt werden.

Ein zweites Motiv ist Moses Größe: Er weiß, dass er unmittelbar nach dem Feldzug sterben wird, drängt aber ohne Zögern zum Kampf. Es geht ihm nie um sich selbst – Ausdruck äußerster Bescheidenheit. Das Volk hingegen weigert sich zunächst; die Krieger müssen ausgeliefert werden (hebräisch wajimmasru, nicht „sie nahmen”), weil niemand will, dass der geliebte Mose stirbt. Im Gespräch mit Ricklef Münnich folgt die Konsequenz für heute: Antisemitismus lässt sich in seiner Grundidee nicht besiegen, doch der Kampf gegen ihn bleibt geboten – „Es liegt nicht an dir, das Werk zu vollenden, aber du bist auch nicht frei, es zu vernachlässigen.“ Gehasst zu werden, sagt Seelig, sei letztlich ein Zeichen dafür, das Richtige zu tun.

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