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Schabbat Wajikra || Korban – Näher zu Gott

Was hat ein Tieropfer mit Spiritualität zu tun? Rabbiner Ahrens erklärt, warum „Korban“ nicht Opfer bedeutet – und was der moderne Mensch dabei verloren hat.

Rabbiner Dr. Jehoschua Ahrens eröffnet das Wort zum Schabbat zum Wochenabschnitt Wajikra (3. Mose 1–5) mit einem erklärenden Blick auf die besondere Stellung des dritten Buches Mose. Er erläutert, dass das Sefer Wajikra in charedischen Schulen traditionell als erstes Buch unterrichtet wird, weil es den ethisch-moralischen Kern des Judentums enthält – von der Nächstenliebe über die Unterstützung der Armen bis hin zu einer gerechten Gesellschaftsordnung. Es ist, so Ahrens, nicht nur eine „Torat Kohanim“, eine Anweisung für die Priester, sondern zugleich eine Art „Grundgesetz“ des jüdischen Volkes.


Du kannst den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und als Podcast hören:


Der Gesprächsschwerpunkt liegt auf den fünf Opferkategorien der Parascha: dem Brandopfer (Emporopfer), verschiedenen Speiseopfern als Huldigungsgaben, dem Friedensopfer, dem Sündopfer und dem Schuldopfer. Ahrens betont, dass der antike Opferritus für die Menschen seiner Zeit eine tiefe spirituelle Erfahrung darstellte – vergleichbar mit einem großen Volksfest, wie er es am Beispiel der Wallfahrtsfeste in Jerusalem anschaulich beschreibt.

Ein Schlüsselbegriff des Gesprächs ist die hebräische Wurzel des Wortes „Korban“ (Opfer). Ahrens erklärt im Anschluss an Rabbiner Samson Raphael Hirsch, dass „Korban“ von „karow“ – „sich nähern“ – abgeleitet ist. Es geht also nicht darum, Gott zu „bestechen“, sondern darum, ihm näherzukommen und eine innige Beziehung zu ihm aufzubauen.

Ahrens skizziert auch die rabbinische Debatte über den Ursprung des Opferdienstes: Der Radak erklärt, Gott habe ursprünglich nur verlangt, auf seine Stimme zu hören – erst nach dem Sündenfall mit dem Goldenen Kalb seien die Opfergesetze eingeführt worden. Der Rambam ergänzt, dass die gewählten Opfertiere bewusst solche waren, die anderen Völkern heilig galten, um durch deren Schlachtung den Götzendienst zu überwinden.

Den Abschluss bildet eine gemeinsame Reflexion über den modernen Menschen: Nach der Tempelzerstörung vor ca. 2000 Jahren ersetzten Gebet und Synagoge den Opferdienst – das Gebet als „Dienst des Herzens“, wie der Talmud formuliert. Jehoschua Ahrens und ich stellen fest, dass der Mensch heute spirituelle Sehnsucht verspürt, aber verlernt hat, wie er sie stillen kann – und sich stattdessen in Konsumismus, Popkultur oder fernöstlichen Ersatzreligionen verliert. Der Appell lautet: Wieder in die eigene religiöse Tradition einzutauchen, sei sie jüdisch, christlich oder muslimisch.

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