Im „Wort zum Schabbat” von ahavta – Begegnungen erläutert Rabbiner Dr. Daniel Katz die Parascha Ki Tissa (2. Mose 30,11–34,35) anhand zweier zentraler Bibelstellen, die beide eine herausragende liturgische Bedeutung besitzen.
Du kannst den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und als Podcast hören:
Der Schabbat als ewiges Zeichen
Als erste Schlüsselstelle hebt Daniel Katz 2. Mose 31,16–17 hervor: „Die Israeliten sollen den Schabbat halten als ewiges Zeichen zwischen mir und ihnen.“ Diese Verse finden sich wöchentlich in der Freitagabendliturgie und beschließen den ersten Hauptteil des Abendgebets – die Einheit rund um das „Schma Jisrael“. Der Abschnitt erinnert daran, dass der Schabbat im Schöpfungswerk Gottes verankert ist: Sechs Tage schuf Gott Himmel und Erde, am siebten ruhte er. Für Katz macht dies den Schabbat nicht nur zu einem Gebot, sondern zu einem Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.
Bei der diesjährigen Rabbinerbegegnung vom 20. bis 23. Juli 2026 geht es um die Liturgie. Mit Rabbiner Dr. Walter Rothschild lesen und lernen wir im jüdischen Gebetbuch, dem Siddur. Für die allerletzten Teilnehmerplätze melde dich umgehend an!
Gottes Selbstoffenbarung und die 13 Eigenschaften
Als zweite Schlüsselstelle behandelt Katz 2. Mose 34,6–7, die sogenannten 13 Eigenschaften Gottes: „Der HErr, der HErr, Gott, barmherzig und gnädig, langmütig, reich an Güte und Treue …” Diese Worte fallen im Kontext der Erneuerung des Bundes nach dem Abfall des Volkes mit dem Goldenen Kalb. Mose hatte die ersten Steintafeln zerbrochen; nun empfängt er von Gott neue Tafeln und erlebt, wie Gott selbst seinen Charakter ausruft. In der Liturgie zu Jom Kippur werden diese Verse zur Kernaussage – allerdings bricht man sie bewusst in der Mitte von Vers 7 ab, sodass die Bereitschaft Gottes zur Vergebung im Vordergrund steht, nicht die Androhung von Strafe für nachfolgende Generationen.
Gottes eigenes Gebet
Im Talmud, so Katz, findet sich die bemerkenswerte Aussage, dass Gott selbst betet. Er betet, dass sein Merkmal der Gnade sein Merkmal der Gerechtigkeit überwiegen möge. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Güte und Gerechtigkeit prägt das gesamte jüdische Gottesverständnis und verleiht der Parascha Ki Tissa ihre besondere theologische Tiefe.
Einbettung in die Festzeit
Der Rabbiner bettet die Parascha außerdem in den liturgischen Jahreskalender ein: Der zugehörige Schabbat ist der „Schabbat Para“ – einer der vier besonderen Schabbatot in der Vorbereitungszeit vor Pessach. Die Lesung über die rote Kuh (4. Mose 19) thematisiert Reinheit und bereitet das Volk auf das Pessachfest vor. Das scheinbar trockene Material der Parascha erweist sich so als außerordentlich reich – theologisch, liturgisch und im Blick auf den Rhythmus des jüdischen Jahres.












