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Schabbat Schemot || Wenn Namen Geschichte schreiben

Aus Jakobs Familie wird ein Volk. Rabbiner Andrew Steiman erklärt, warum die Nennung von Namen der Schlüssel zur kollektiven Identität ist

Rabbiner Andrew Steiman öffnet ein neues Buch der Tora: Schemot (Namen), das Christinnen und Christen als Exodus kennen. Der Name leitet sich von den ersten Versen ab, während die lateinische Bezeichnung den Inhalt widerspiegelt. Diese Benennungspraxis geht vermutlich auf die Zeit zurück, als alle von einer Tora-Rolle lasen, in der keine Seitenzahlen existierten.​

Der gleichnamige Wochenabschnitt in 2. Mose 1,1–6,1 führt Mose ein, der als Muster für einen Anführer vorgestellt wird – interessanterweise war er sprachbehindert, was zeigt, dass Anführer nach ihren Handlungen und nicht nach ihrer Rhetorik beurteilt werden sollten. Wie alle Propheten lehnt auch Mose seinen Auftrag zunächst ab.​


Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören:


Namen spielen eine zentrale Rolle: Sie sind für die Nachhaltigkeit der Identität entscheidend. Die Rabbinen erklären, dass die Juden in Ägypten ihre Identität bewahrten, weil sie ihre hebräischen Namen weitergaben. Der Übergang vom Buch Bereschit zu Schemot markiert einen bedeutenden Wechsel: Aus Familiengeschichten wird nun die Geschichte eines Volkes. Bevor aus einer Sippe ein Volk werden kann, müssen die einzelnen Menschen aus der Anonymität heraustreten – daher beginnt das Buch mit der Nennung von Namen.​

Steiman betont die Bedeutung der positiven Identifikation: Wer sich nicht positiv identifiziert, identifiziert sich ex negativo durch Ausschluss anderer. Die Bibel nimmt den Leser ernst und zieht ihn durch die Nennung von Namen in das Geschehen hinein. Mose durchläuft einen Prozess des Zweifels, bis er schließlich an sich selbst glaubt und seinen Auftrag annimmt. Obwohl Mose sein Ziel, das gelobte Land zu erreichen, nicht erreicht, bleibt er ein Vorbild – nicht Perfektion ist gefragt, sondern authentisches Bemühen.

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