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Schabbat Teruma || 450 Verse für ein Zelt: Was die Tora wirklich wichtig findet

Was ist wichtiger: die ganze Welt oder ein provisorisches Zelt? Die Tora gibt eine klare Antwort. Kantor Amnon Seelig erläutert, wo Gott wohnt.

Kantor Amnon Seelig erörtert im „Wort zum Schabbat“ von ahavta - Begegnungen den Tora-Wochenabschnitt Teruma“ (2. Mose 25,1–27,19), der von den freiwilligen Gaben der Israeliten für den Bau des Heiligtums in der Wüste handelt. Im Zentrum seiner Auslegung steht ein bemerkenswertes Phänomen: Während die gesamte Schöpfung des Universums im 1. Buch Mose nur mit etwa 34 Versen beschrieben wird, umfasst der Bau des Stiftzeltes (Mischkan) rund 450 Verse – also das 15-fache.​


Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und sogar als Podcast anhören:


Amnon verweist auf den israelischen Gelehrten Jeschajahu Leibowitz (1903–1995), Professor für Biochemie, Biologie, jüdische Geschichte und Philosophie, der diesen Vergleich ausführlich analysiert hat. Das Stiftzelt war dabei keineswegs ein beeindruckendes Bauwerk, sondern eine provisorische Hütte aus 20 mal 8 Brettern, ohne Dach, umspannt von Tierhaut und beweglich für die Wüstenwanderung. Nach dem Bau des Jerusalemer Tempels hatte es keine Bedeutung mehr.​

Die theologische Pointe liegt in der Gewichtung: Die Schöpfung – alles Physische, alle Galaxien und Planeten – dient dem Menschen, der als „Krone der Kreatur” gilt. Das Stiftzelt hingegen repräsentiert, wie der Mensch Gott dient. Diese Funktion ist der Tora unvergleichlich wichtiger, was sich in der ausführlichen Detaillierung zeigt. Entscheidend ist dabei die grammatische Formulierung: Gott sagt nicht, er werde im Heiligtum (hebr. betocho) wohnen, sondern „betocham” – in ihrer Mitte, im Volk. Die materiellen Dinge wie Gold, Silber, Holz sind letztlich „wertlos”; Gott wohnt dort, wo Menschen ihm dienen.​

Amnon betont, dass diese Perspektive auch aktuelle Relevanz besitzt: Während verantwortungsvoller Umgang mit der Natur geboten ist, darf der Mensch sich nicht der Natur unterordnen. Die Tora kennt viele Umweltregeln, aber der Dienst gilt Gott, nicht der Schöpfung. Seit der Zerstörung des Tempels vor 2000 Jahren ist jede Synagoge ein „Mikdasch Katan” – ein kleiner Tempel –, in dem diese Tradition fortlebt.

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