Der Wochenabschnitt „Tezawe” (2. Mose 27,20–30,10) beginnt mit den Vorschriften über das heilige Öl für die Menora und behandelt dann ausführlich die priesterlichen Gewänder.
Du kannst den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Samson Raphael Hirsch lesen und als Podcast hören:
Rabbiner Dr. Walter Rothschild nimmt die Kleidungsvorschriften zum Anlass für eine grundsätzliche Reflexion über das Verhältnis von äußerem Schein und innerer Qualität: Die Tora interessiert sich weniger dafür, wie kompetent, gebildet oder fromm Aaron und seine Söhne sind, sondern vor allem dafür, wie sie aussehen – ein Befund, den Rothschild als „Gräuel” bezeichnet. Er zieht eine kritische Linie zu religiösen Führungspersönlichkeiten aller Konfessionen, für die das Äußerliche – Turban, Kippa, Kardinalstracht – zur wichtigsten Legitimation wird, und schildert eigene Erfahrungen aus seiner Zeit als Gemeinderabbiner in Berlin, wo man ihm die korrekte Kleidung wichtiger nahm als seine inhaltliche Kompetenz.
Die detaillierten Beschreibungen von Brustschild, Efod, Oberkleid und Kopfbund interpretiert Rothschild nicht als Symbol tiefer Spiritualität, sondern mit nüchternem Realismus: Die Priester verrichten schwere körperliche Arbeit – Schlachten, Blut, Feuer, Weihrauch –, und dafür bräuchte man eigentlich zweckmäßige Arbeitskleidung, keine Prunkgewänder.
Besonderes Gewicht legt er auf die oft übersehenen Verse über die Leinenhosen (Unterhosen) am Ende von Kapitel 28: Sie sollen verhindern, dass beim Besteigen der Altartreppen unter dem Gewand etwas sichtbar wird. Rothschild verknüpft dies mit der Schamszene im Garten Eden und verweist auf die talmudische Diskussion im Traktat Sewachim (88a/b), wonach die ausgenutzten Priesterhosen als Dochte für die Tempellampen dienten – heilig geworden durch den körperlichen Kontakt mit den Priestern, was er als geradezu paradoxe Pointe findet: „Am Anfang des Wochenabschnitts haben wir die heiligen Lampen und am Ende werden die Dochte aus ausgenutzten Unterhosen gemacht.”
Den zweiten Schwerpunkt bildet der Schabbat Sachor, der Schabbat vor Purim. Die Sonderlesung aus 5. Mose 25,17–19 gebietet die Erinnerung an den Überfall Amaleks auf die erschöpften Israeliten in der Wüste – ein feiger Hinterhaltsangriff ohne Kriegserklärung, gegen Schwache und Alte. Rothschild betont das theologische Paradox: „Sachor” (Erinnere dich!) und „Lo Tischkach” (Vergiss nicht!) werden aufgerufen, damit das Andenken Amaleks am Ende ausgelöscht werden kann.
Walter Rothschild sieht in Amalek ein zeitloses Symbol für den Erzfeind, der Juden ohne rationalen Grund hasst und angreift – und zieht eine direkte Linie vom biblischen Amalek über Haman im Buch Esther bis zur Hamas.












