Diese Auslegung zum Schabbat an Schemini Azeret wurde am 9. Oktober 2020 aufgezeichnet.
Rabbiner Alexander Nachama erklärt Schemini Azeret, das Schlussfest am achten Tag, als eigenständigen Feiertag, der direkt auf Sukkot folgt. Sukka und Feststrauß fallen weg. Beim Kiddusch spricht man aber erneut den Segen Schehechejanu, der sonst den Beginn eines Festes markiert. Anders als Pesach, Schawuot oder Sukkot hat Schemini Azeret keinen erkennbaren Anlass: Die Tora (4. Mose 29,35) nennt nur Festversammlung, Arbeitsruhe und Opfer.
Eine Deutung findet Nachama bei Raschi. Nach dem Midrasch bittet Gott die Wallfahrer vor der Heimkehr um ein kleines Festmahl. Wie ein Vater, dem der Abschied seiner Kinder schwerfällt, sagt er: Bleibt noch einen Tag. Schemini Azeret erscheint so als zärtliche Zugabe nach Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot, bevor der Winter beginnt. Ein Midrasch des Rabbi Levi deutet den Festkalender: Wegen des Goldenen Kalbs im Tammus erhält Israel in Tammus, Aw und Elul keine Feste. Der Tischri gleicht dies aus, indem Rosch haSchana, Jom Kippur und Sukkot für diese drei Monate stehen. Damit wird Schemini Azeret zum eigentlichen Fest des Tischri.
In der Liturgie beginnt an Schemini Azeret das Gebet um Regen für Israel, wo ausbleibender Winterregen eine Katastrophe bedeutet. Rabbi Chama ben Chanina vergleicht den Regentag mit der Erschaffung von Himmel und Erde. Rabbi Tanchum bar Chija hält ihn sogar für größer als die Gabe der Tora, weil er die ganze Welt erfreut, Mensch und Tier. Wer den ersten Regen nach dem langen israelischen Sommer erlebt, versteht das als Wunder.
Ich frage, ob im Regen wie im Johannesevangelium auch das Bild des herabkommenden Geistes mitschwingt. Nachama betont, dass Leben und Torastudium den Regen als Nahrungsgrundlage voraussetzen. Er verbindet ihn mit Hoschana Rabba als letzter Gelegenheit, das Urteil zum Guten zu wenden, mit dem Wunsch nach einem guten Kwittel, mit dem Wasserschöpffest und mit dem Schwenken der vier Arten als möglichem Regenritual. Zum Schluss beschreibt er Simchat Tora unter den Corona-Bedingungen, ohne Tanz und Umzug mit der Tora. Für mich bleibt die Kawana entscheidend.










