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Sukkot || Vollmond über der Laubhütte

Was verbindet den Mondkalender mit dem Bau des Heiligtums und einem Huhn voller Sünden? Ein Gespräch über Sukkot, Schabbat und die Kraft des jüdischen Lachens.

Diese Auslegung zum Schabbat am 1. Tag von Sukkot wurde am 2. Oktober 2020 aufgezeichnet.


Zum Schabbat, der mit dem ersten Tag des Laubhüttenfests zusammenfällt, schlug Rabbiner Andrew Steiman einen Bogen vom Kalender über das Schabbatrecht bis zum jüdischen Humor. Ausgangspunkt ist sein Schöpfungsmuster aus These, Gegenthese und Synthese: Himmel und Erde, Sonne und Mond. Der jüdische Kalender will beiden Gestirnen gerecht werden. Die Jahre folgen der Sonne, die Monate dem Mond, der rund 29,5 Tage für seinen Umlauf braucht. Deshalb zählen jüdische Monate abwechselnd 29 und 30 Tage. Jeder Monat beginnt mit Neumond – die Zeit ist schon da, man sieht sie nur noch nicht. Am 15. Tischri steht darum der Vollmond am Himmel: Sukkot ist der erste Vollmond im Herbst, ein Punkt, an dem sich Mond- und Sonnenrhythmus wie in einem Koordinatensystem treffen.

Beim Feststrauß der vier Arten erzählt Steiman, dass die meisten Etrogim heute aus Sizilien kommen, seit die Plantagen bei El-Arisch auf dem Sinai an Bedeutung verloren haben. Dass der Strauß am Schabbat nicht geschwenkt wird, erklärt er mit dem Verbot, im öffentlichen Raum zu tragen. Die 39 verbotenen Arbeiten leitet er aus den Tätigkeiten beim Bau des Heiligtums ab: Profane Arbeit ist Voraussetzung des Heiligen, das Heilige Ergänzung des Profanen. Aus demselben Grund bleibt auch der Schofar an einem Rosch HaSchana stumm, das auf den Schabbat fällt.

Die talmudische Pointe, wer dennoch einen Schofar mitbringe, wolle ihn wohl erst lernen, führt zum Herzstück des Gesprächs: dem Humor. Mit mir ist sich Steiman einig, dass die Debatten der Lehrhäuser Freude am Streit spiegeln und ohne Humor unverständlich bleiben. Er erinnert an den Historiker Walter Grab, an seinen Lehrer Emanuel Weinberger, der in Theresienstadt mit Leo Baeck lernte, und an seinen Großvater: Nicht die Hoffnung sterbe zuletzt, sondern der Humor. Eine fast hundertjährige Bewohnerin der Budge-Stiftung bezeugt, dass selbst in Auschwitz über die SS gelacht wurde. Humor ist für Steiman eine Säule des Judentums – bis hin zum Spott über eigene Bräuche wie das Kapparot-Schlagen, bei dem sein Vater als Kind fragte, ob man das Huhn nun samt den Sünden wieder aufesse.

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