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Schabbat Schoftim || Gerechtigkeit nachjagen zwischen Macht, Maß und Recht

Schoftim ruft zu unbestechlicher Gerechtigkeit auf und zügelt königliche Macht durch Maß, Lernen und Verantwortung – damals wie heute.

Rabbiner Dr. Daniel Katz betont, dass der Wochenabschnitt Schoftim in 5. Buch Mose 16,18–21,9 die Einrichtung eines gerechten Rechtswesens fordert: Fähige, unbestechliche Richter und Amtsträger sollen das Recht „in gerechtem Gericht“ durchsetzen, ohne Ansehen der Person, denn Bestechung verblendet die Weisen und verdreht die Worte der Gerechten. Der Leitvers „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du nachjagen“ verbindet Recht mit Leben und Landbesitz: Gerechtigkeit ermöglicht lebendige Gesellschaft und Bestand im Land; die doppelte Wortwahl und der hebräische Rhythmus verleihen diesem Imperativ besondere Dringlichkeit. Katz unterstreicht, dass die ethische Weisung der Tora nicht vom gesellschaftlichen Recht trennbar ist, weil Gottes Ordnung das ganze Leben betrifft; Recht beugen, Parteilichkeit und Korruption widersprechen daher sowohl der sozialen Ordnung als auch der religiösen Ethik.


Bei ahavta - Begegnungen kannst du den Tora-Abschnitt der Woche in der Übersetzung durch Rabbiner Simon Bernfeld lesen oder sogar als Podcast anhören:


Im zweiten Schwerpunkt wendet sich Katz der Königsgesetzgebung in Kapitel 17 zu: Ein König ist erlaubt, aber nicht vom Volk frei gewählt, sondern von Gott erwählt, aus der Mitte der Brüder – kein Fremder; diese Setzung problematisiert Macht und Assimilation „wie alle Völker“. Die Tora begrenzt königliche Macht durch drei Verbote: keine vielen Pferde (keine Rückbindung an Ägypten und kein militaristischer Machtaufbau), keine vielen Frauen (damit das Herz sich nicht abwendet), kein Anhäufen von Silber und Gold (um Korruption und Machtmissbrauch zu verhindern). Als positives Gegengewicht verpflichtet die Tora den König, sich eine Abschrift der Tora anzufertigen und täglich darin zu lesen, um Gottesfurcht zu lernen, die Gebote zu üben, nicht nach rechts oder links abzuweichen und sein Herz nicht über die Brüder zu erheben; so besteht sein Königtum lange und vorbildlich.

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